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Full text of "Beitraege zur Geschichte der christlichen Kirche in Maehren und Boehmen"

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liltillllilHIil 
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Hi.rvard 
Deoositor/ 



BEITRiEGE 



Zl'K GKSClllCHTK UKK 



CIIIMSTLICHIv\ KIHIHE 



IN 



ÄL^HßEN UM) iUElLMEX. 



VON 



WILHELM WATTENBACH. 



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WIEN, 1849. 

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BEITRÄGE 



ZUR GESCHICHTE DER 



CHRISTLICHEN KIRCHE I 



IN 



MÄHREN UND BCEHMEN. 



VON 



WILHELM WATTENBACH, 



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WIEN, 1849. 



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VERLAG VON CARL GEROLD. 



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BEITRAEGE 

ZUE GESCHICH'ÄiiiliC • . 

CHR18TLICHE1V KIRCHE 



IN 



MAEHREN und BOEHMEN. 



VON 



WILHELM WATTENBACH 

DEB OESELLSCKAFT FÜB AELTERE DEUTSCHE 0ESCHICHT8KUKDE 
COBRESPONDIRENDES MITOLIED. 



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WIEN 1849. 

VERLAG VON CARL GEROLD. 

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HARVARD DIVIMITY SCHUW- 



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jsiiS^ 



Herrn Paul Joseph Schafarik. 



Zu einet* zßh wo 96 vieles zQMAntenwirkt , um die 
^ersdttedenen volkstämme sidi feindlich gegenüber zu stel* 
len, ist es ein erfreulicher gedanke ddsz döeh GINT gebiet 
ist, welches höher istebt als diese gegensätse^ das ge<>- 
biet der wissenschafti Hier darf nur die efforscbung der 
ivahrheit unser ziel sein , und wie die erreichung des zie* 
les für alle gleich heilbringend ist^ so kann auch nur 
vereinte anstrengung aller uns zu demselben fuhren. Nur 
als eine hinweisung auf diese von der Vorsehung vor- 
gezeichnete brüderlichkeit in der wfssens^baftliehen forschung 
konnte es mir erscheinen, dasz günstige umstände mich bald 
nach einander die älteste handschrift der gesetze des heij> 
ligen Königs Stephan von Ungarn und darauf die* hier 
mitgetheilten stücke finden lieszen, welche über die ge«- 
schichte der einführung des Christenthums unter den mäh* 
rischen und böhmischen Slaven neue aufklärung gewäh- 

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ren. Ijetzlere mit einer kleideii/ aUavcHungxäber <fie ge- 
4BiehichÜscben yerhähnisse ämMSiaiien^ Imiiteiiilr hur auf 
der grondlage IHRES groazartigen werkea über öieSla- 
vi^cken Alteribümer gelingen. Es ist daher nur einepflieht 
der dankbarkeit , wenn ioh IHNEIN diese arbeit darbringe, 
in der boffioung dasK 81E dieselbe IHRES namens nicht 
gama unwüi^tg finden mögen , wenn auch die ergehnisse 
mit Ihren forschungen nidbt immer übereinstimmen. 

Die gütige wid wohlwollende aufnähme and förde^ 
ruflg^ wekhe ich bei IHNEN fand^ als untersudiiingen 
über die ältere deutsche geschichte mich nach Prag führ- 
ten, läszt es mir um so mehr zur freude gereichen^ dasz 
ich HINEIN jetzt diese kleine schrift als zeiehen dankba* 
rer erinnerung überreichen kann. 

Wieii; dea 2. Februar ia49. 

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VORREDE. 



Das Cistercienserstift HEIUGENKREVZ in Niederösterreicb, 
Viertel Unter Wiener Wald (Monasterium S. Mariae ad S. Crucem 
io.yalle nemorosa), eine stilUing Leopolds des Heiligen, bat aus 
allen gefahren , welche in den verflossenen Jahrhunderten bald die 
kriegszeitea und die wilden heersehaaren der Türken , bald die ge- 
ringschalzung aller üb^bleib^el des mittelakers mit sich brachten, 
nicht nur die alte ehrwürdige kirche mit dem schönen kreuzgange, den 
merkwürdigen glasgemälden, und den grabstätten der Babenberger, 
sondern auch einen reichen schätz von Urkunden und haudschriden 
gUckUch gerettet; unter der leitung des jetzigen herren Prälaten herrn 
EQMVND KOMAROMY, wird auf die herstellung und bewahruog 
dieser reste der vorzeit grosze und sehr dankenswerthe Sorgfalt 
verwendet. Die bibliotbek ist für geschichtliche forschungen nicht 
selten in ansprucb genommen worden , und auch für die geschichte 
der Pflanzung des Christenthums unter den Slaven hat man ihre 
Pergamente durchforscht. Schon HIERONYMVS PEZ benutzte die 
groszen foUanten, welche eine Sammlung von leben der heiligen 
in seltener fülle und in guten abschriflen enthalten, und neuer- 
dings machte PERTZ wieder darauf aufmerksam ') , und bemerkte, 
dasz dieses legendarium von höherem alter und besser geschrieben 



Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche GesehichtskuAde HL 567. 
VI. 182. 

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VI 

sei, als die in LilieDfeld, Zwettel, Wien, Melk, Admont zer- 
streuten exemplare und einzelnen bände desselben ; wahrscbeinlich 
zwischen den jähren 1181 und 1200 geschrieben, weil ein darin 
befindliches verzeichnisz der erzbischöfe von Salzburg schon mit 
Adalbert (f 1200) aufhört; das Zwettler exemplar fugt noch sei^ 
nen nachfolger Eberhard hinzu. Die ungewöhnlich reichen Verzie- 
rungen der anrangsbuchstaben tragen ganz den Charakter dersel- 
ben zeit, und zeigen eine merkwürdige Übereinstimmung mit den 
glasgemälden des kreuzganges. Von dem inhalte dieses legenda- 
riums erwähnte Pertz unter andern eine ungedruckte biographie 
des apostels der Pommern , bischofs Otto von Bamberg , welche 
seitdem von STEPHAN ENDLICHER im vierten „Jahresbericht 
der Gesellschaft für Pommersche Geschichte" 1830 herausgegeben 
ist '). Im dritten bände , welcher eine zeit lang für verloren ge- 
balten wurde, befindet sich ein leben des heiligen Wenceslau$ 
(D. bei Dobrowsky) und eine „Passio Liudmilae martyris ,*' wovon 
Constantin Suysken 1753 eine abschrift nahm. Aber im glauben 
an die echtheit der Christannschen lebensbeschreibung befangen, 
hielt er für sie einen auszug aus dieser und machte keinen gebrauch 
davon '^). Da sie aber vielmehr der ältesten gestalt dieser legende 
nahe zukommen scheint, und meines wissens noch ungedruckt 
ist , theile ich sie gleichfalls unter den beiiagen mit , damit ihr 
eine sorgtältigere Untersuchung zugewandt werden möge. Der erste 
abschnitt, über die bekehrung der Mähren und Böhmen') ist nicht 
aarin enthalten , und vermuthlich erst späteren Ursprungs. 

Bescheidener als ihre genossen hatte einehandschriflin quart 
(n. 21 7) sich in einem verborgenen winke! der anspruchlosen ruhe 
frommer beschaulichkeit ergeben ; zu besserem schütze noch mit 
einem trügerischen titel versehen, war es ihr geglückt Jahrhunderte 



Derselbe gelehrte hat seitdem aus dieser samnalung die Vita S. Stephani 
regis abdrucken lassen , im ersten bände der : Renim HuDgarieanim Mo* 
bumenta Arpadiana. Sangalli 1848. 

*) Acta saoetorum Sept. Vol. V. p. 341. 

') Dobrowsky, Kritische Versuche I. p. 69 if 

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Vll 

hiiidiHrch ^on jeder bettnrabigQDg frei zu bleiben. Aber das rastlose 
treibe der gegenwart ziehl miifidersteblicb alles iü seine kreise: 
auch ihr ständlein hatte geschlagen. Bei einem besuche in Heili- 
genkreu7 im December 1847 fand ich den bibliotbekar herrn Pro- 
fessor ADOLF REIMDL eben beschäftigt , die lacken des alten 
katalogs zu ergänzen. Mit vereinten kräflen brachten wir das werk 
rasch zu stände, und zogen bei dieser gelegenheit auch jenen ein«- 
Siedler aus seiner stillen klause. Sein ehrwürdiges alter , seine un* 
behälfiiche wohlbeleibte gestalt reizten unsere neugierde nur um so 
mehr, und um grundlichere reehenschaft über die mt aeiner ja- 
gend zu geben , muszte er mir sogar in die laute residenz zur L 
hofbibliothek folgen. Ohne bild, der herr Prälat hatte die gute mir 
die benutzung der bandschrift in Wien zu gestatten , weil es mir 
in Heiligenkreuz an den erforderlichen hälfsmitteln dazu fehlte. 
Den inhalt bildet eine sehr reiche Sammlung kirchhcher und weit-* 
lieber gesetze , welche bis an das ende des neunten Jahrhunderts 
reichen , darunter das alamannische volksrecht , und die capitula- 
riensammlung des Ansegis ; eine genauere beschreibung werde ich 
in Pertz's „Archiv für ältere deutsche Geschichtskunde" mittheilen. 
Die Schrift könnte wobl noch dem zehnten Jahrhundert angehören ; 
gewisz ist sie älter als das stift Heiligenkreuz , aber leider fand 
sich keine nachriebt aber die früheren besitzer dieser bandschrift« 
Der hauptwerth derselben liegt in den beiden stucken, welche in 
vorliegender schrift zuerst gedruckt erscheinen , einem briefe des 
papstes Stephans V an k&nig Suaiapluk^ und einer Verordnung 
des her%ogs Boleslaw von JBähmen zu gunsten bischof Adalberts. 
Dieselben sind auf frei gebliebenen blättern der bandschrift ein* 
getragen; der brief Stepbans Y war aber zu lang, so dasz für ihn 
eine eigene läge eingesichoben werden muszte. Meiner ansieht nach 
ist er im eilften Jahrhundert geschrieben ; noch kommt kein kurzes 
s darin vor , kein verbindungsstrich bei gebrochenen Wörtern ; für 
^r ist immer das verschlungene zeichen gehraucht, auch in der 
mitte der Wörter, dagegen für ae nur das e mit einem häkchen. 
Im abdruck habe ich mich genau an die bandschrift gehalten, und 

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Vfll 

nur di<^ aügettschetnlichsten fehlet* TerhesseiC Bei der anweodkmg 
der klehieo md groszen buebstsibeii schien e« mir unnöthig zq 
sdn, derwiltkurlichen laune d^ alten sctoeibers zu folgen, da- 
gegen aber behielt ich den gebfaach bei) kurze wört«r mit den 
folgenden zo verbinden , weil es ffir handschriften dieser zeit cha- 
rakteristisch ist. Oewöhnlich ist hier auch ei auf diese weise zum 
folgenden wone gezogen , was ich nicht nachahmte, um das le- 
sen nicht zü sehr zu erschweren. 

Das zweite stuck ist von einer anderen band eingetragen wor- 
den , und durfte wohl der zeit von der es handelt nahe sieben. 



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I. 

EINLEITVNG. 



Ueber die geschichte der mährischen apostel KYRILL und ME~ 
THOD ist schon sehr viel geschrieben, und fast über jeden einzelnen 
pnnkt sind lebhafte fehden geführt worden. Zu den bisher bekannten 
quellen tritt hier nun eine neue hinzu , und wie alle übrigen wird sie 
sich einer strengen prüfung ihrer echtheit zu unterwerfen haben. Dabei 
ergeben sich zwei falle als möglich. Im besten falle nämlich haben wir 
wirklich eine authentische bulle Stephans V vor uns. In den folgenden 
Untersuchungen habe ich mich bemuht zu zeigen , dass wenigstens kein 
grund der Wahrscheinlichkeit dem entgegenstehe. Andererseits finden 
wir schon in Johanns VIII briefe vom 23. März 881 eine andeutung, 
dasz Wiching sich gegen Methodius untergeschobener päpstlicher schrei- 
ben bedient habe. Wie wenn auch dieses einen solchen Ursprung hätte ? 
Die möglichkeit scheint mir nicht zu leugnen , aber auch in diesem falle 
bliebe es ein werthvolles document, da es ja auch dann den Zeitumständen 
angepasst sein mösste. Für eine spätere entstehung aber scheint kein 
grund zu sprechen; nach Wichings sieg über die griechisch -slavischen 
geisth'chen war kein anlasz zu solcher fälschung vorhanden. Wollle man 
etwa in den späteren kämpfen über die zulässigkeit slavischer liturgie 
ihren Ursprung suchen, so ist dagegen theils das alter der abschrifc 
anzuführen, deren zahlreiche fehler auf ein bedeutend älteres original 
zu weisen scheinen , theils die ausführliche behandlung der lehre vom 
Heiligen Geiste , wozu nachher gar keine veranlassung mehr vorhanden 
war. Für den briefsteiler war aber dieses offenbar der hauptpunkt , die 
liturgische frage mehr nebensache. 

Bei der herausgäbe dieses neuen actenstückes schien es mir pas- 
send zu sein, anzugeben, wie sich die daraus gewonnenen resultate zu 

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den bisher bekannten thatsachen verhalten , wie sie dieselben ergänzen. 
Aber wo finden sich diese thatsachen? üeberall sind sie vermischt mit 
behauptungen und muthmaszungen , welche von anderen Seiten eben so 
entschieden verneint werden. DOBROWSKY hat freilich das princip auf- 
gestellt und befolgt , nur an den lautersten quellen zu schöpfen , aber 
seit seiner zeit ist neues gefunden worden , anderem halte er nicht die 
richtige geltung zugesprochen , und mancher einzelne punkt ist zum 
gegenständ genauer kritischer Untersuchungen gemacht worden. Ich sah 
für mich keinen andern ausweg , als von neuem Dobrowskys bahn ein- 
zuschlagen, und glaube, dasz es auch anderen nicht unwillkommen sein 
werde, hier zusammengestellt zu finden, was die zeilgenossen und ihre 
nächsten nachfolger über jene Zeiten und Verhältnisse uns berichtet haben. 
Dasz sich aus späteren nachrichten , durch sprachliche und andere for- 
schungen , weiteres gewinnen lasse , bin ich weit entfernt zu leugnen, 
aber auf diesem gebiete ist noch fast jeder fuszbreit streitig — ich habe 
versucht , den friedlichen besitz zu überblicken. 

Auf die böhmischen Verhältnisse war es nicht erforderlich so ge- 
nau einzugeben , weil die neu entdeckte Urkunde hier mit keiner andern 
annähme in Widerspruch steht, und sich in die bekannten Verhältnisse 
ohne Schwierigkeit einreihen läszt. 

Wie weit mir die ausfuhrung meines planes gelungen ist^ darüber 
erwarte ich die entscheidung sachkundiger kritiker; dasz dieselbe mir 
überhaupt, besonders hier in der fremde, möglich war, verdanke ich 
nur der gute der herren TH. G. KARAJAN, DR. MICLOSICH und DR. 
ROESSLER , welche mich auf das bereitwilligste mit ihren kenntnissen 
wie mit ihren büchern unterstützt haben; dafür sage ich ihnen hier öf* 
fentlich meinen dank. 



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II. 

KONSTANTIN vnd METHODIVS. 



1- OVELLEN. 

Alle quellen, aus welchen für die geschichte Konstantins und 
Methods etwas zu schöpfen ist, findet man zusammengestellt in SCHA- 
FARlKS Slavischen Allerlhumern, II, 471 der deutschen Übersetzung. 
Wir beschränken uns hier darauf, nur die gleichzeitigen oder doch bald 
nach ihrem tode aufgezeichneten nachrichlen anzuführen. Darunter neh- 
men ohne frage den ersten rang ein die briefe des Papstes Jo- 
hann VllL Man findet sie zusammengestellt in BOCZEKS Codex diplo- 
maticus Moraviae, womit noch PALACKYS Italienische Reise zu ver- 
gleichen ist. Bekanntlich ist ein theil seines Registrum erhalten , in einer 
abschrin, die in der zweiten hälfte des eilften Jahrhunderts wahrschein- 
lich für die klosterbibliothek von Montecasino angefertigt ist , und wohl 
nur dem vatikanischen archive entnommen sein kann. Falsche briefe 
über diese Verhältnisse einzuschieben, konnte weder in Rom noch in 
Montecasino eine veranlassung sein, und seit man weisz, dasz die frag- 
lichen briefe wirklich in jenem Registrum enthalten sind , darf ihre ecbt- 
heit wohl nicht mehr bezweifelt werden. Das Registrum beginnt aber 
erst mit dem ersten September 876; aus den vier vorhergehenden jähren 
finden sich einige werth volle fragmente in den »Collectiones Decretales« des 
Cod. bibl. Vaticanae4886, welche der Jesuit TIMON herausgegeben hat % 



*) Imago anliquae Hungariae. Viennae 1762 41. I, 152. Ein kleineres stück 
■ des einen briefes findet sieh auch in einer handschrift saec XII. des 
domkapitels Ivl Olmüz , nebst einem hieraus von Boczek mitgetheilten 
schreiben an Cozel Beide sind in den beilagen nach der handschrift ab- 
gedruckt , da sich einige Verbesserungen daraus ergeben 

1 * 

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und in der kanonensammlung des Bonizo von Sutri; der graf Ga- 
rampi besasz eine abschrift der »gleichzeitigen^^ handschrift in Bre> 
scia , und schickte copien dieser briefe an SALAGIVS , der sie publicirt 
hat ^). An ihrer echtheit zu zweifeln scheint kein grund vorhanden zu 
sein. Zu diesen actensliicken kommt nun der brief Stephans Vy wo- 
von schon vorher die rede war. 

Von anderer seite reihen sich ihnen die schritten an , welche zur 
vertheidigung der Salzburger und Passauer anspräche aufgesetzt sind, 
nämlich die denkschrift über die rechte Salzburgs und die thätigkeit sei- 
ner erzbischöfe für die bekehrung der Slaven vom jähre 871 — de 
conversione Bagoariorum et Carantanorum — und die beiden briefe 
vom jähre 900, welche die hitieren Klagen der Bairischen Bischöfe vor 
den päpstlichen stuhl brachten. Die erste schrift ist in der Juvavia und 
sonst gedruckt; der theil, welcher hier besonders in betracht kommt, 
am besten in Kopitars Glagolita Clozianus p. LXXll. Die briefe sind oft 
gedruckt^ zuletzt bei Boczek; ihrer glaubte ich mich, wenn auch mit 
vorsieht , bedienen zu können ; während ich übrigens ein näheres ein- 
gehen auf die Passauer Verhältnisse bei dem zweifelhaften werthe der 
zahlreichen actenstucke möglichst vermieden habe. Hoffentlich werden 
des gelehrten und scharfsinnigen P. FRIEDRICH BLVMBERGER for- 
sch ungen bald helleres licht über diesen verwickelten gegenständ ver- 
breiten; in dem vortrefflichen aufsalze des P. MICHAEL FILZ ^) ist 
leider auf Hethodius und jene klagen der bairischen bischöfe keine rück- 
sicht genommen. — Ferner haben wir nun noch Urkunden über die Ihä- 
tigkeit der brüder in dem von Prof. MONSE entdeckten Olmüzer Frag- 
ment. Daraus ist aber nur zu entnehmen , dasz diese nachrichten im 
jähre 1062 (?) in alten handschriften vorhanden waren'); die gleich- 
zeitige aufzeichnung ist durch nichts verbürgt. 



^) De statu ecclesiae Pannonicae, Quinqueecclesiis 1780. 4. lY, 440 Doch 
ist hier vielleicht ein irrlhum vorgefallen denn in der Wiener Hand- 
schrift dieser samnalung fand ich nur den einen bei Timon fehlenden brief, 
dessen etwas abweichender text in den beilagen mitgetheilt ist. Auch 
Mansi, Coli. Goncil. XVII. 264. hat aus der Turiner handschrift 903 die- 
sen allein. 

*) Wiener Jahrbucher 1835, Band 69 und 70 im Anzeigeblatt Siebenter Be- 
richt über das Museum Francisco - Garolinum. Linz 1843. Seite 1 — 97. 

*> Boczek Cod dipl Morav p. 136. 137. Vom original ist jetzt leider jede 
spur verschwunden 



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Nächst diesen urkundlichen quellen kommen nun auch die ge- 
«chichtschreiber in betracht, bei denen wir wie gewöhnlich den umstand 
finden , dasz die jüngsten scheinbar am genauesten unterrichtet sind und 
ausfährlich von begeben heilen berichten , deren kein aelterer erwähnt. 
Leider sind sie aber auch unter einand«rauid mit sicher gestellten that- 
sachen in Widerspruch, und die unendlich reiche erfindungsgahe der 
Schriftsteller des spätem mitteialters über begebenheiten , deren wahren 
verlauf wir kennen, musz auch da vorsichliu; machen, wo gleichzeitige 
berichte fehlen. Über unsern gegenständ finden wir leider in allen gleich- 
zeitigen, abendländischen wie byzantinischen aufzeichnungen über die 
allgemeine geschichte der zeit gar nichts , nur der römische bibliothekar 
Anastasius hat zwei schätzbare stellen darüber; glücklicherweise sind 
uns aber zwei Schriften erhalten , welche sich speciell mit unserem ge- 
genstände beschäftigen. Zuerst die Geschichte der Übertragung des 
h. Clemens von Cherson nach Rom durch Konstantin, welche die Bol- 
landisten aus einer handschrift des gelehrten Duchesne herausgegeben 
haben *). Sie war am ende des eilflen Jahrhunderts schon vorhanden, weil 
Leo von Ostia sie nach einer aus ihm angeführten stelle offenbar vor 
sich gehabt hat ^) , und die herausgeber haben es in ihrer vorrede sehr 
wahrscheinlich gemacht , dasz m von einem Zeitgenossen des Konstantin 
verfaszt ist, nämlich von dem bischof Gauderich von Velletri, oder dasz 
doch sein werk über denselben gegenständ ihr zum gründe liegt. Der 
Inhalt bietet keinen grund zum zweifei dar. Während wir aber hier die 
zuverlässigsten nachrichten über die erste Wirksamkeit der brüder finden 
— denn in Rom war man damals über diese Verhältnisse bei den fortwäh- 
renden Streitigkeiten mit der griechischen kirche über die neu gewonne- 
nen Sprengel sehr gut unterrichtet — belehrt uns das Lehen des Erz- 
bischofs Clemens von Bulgarien^ eines Schülers von Hethodius, über 
die letzten lebensjahre desselben, und die gleich darauf folgepden er- 
eignisse. DR. MIKLOSICH hat sie kürzlich neu herausgegeben, und 
in der einleitung nachgewiesen, dasz der Verfasser allem anscheine 
nach wirklich ein schüIer des Clemens war , und also namentlich über 
die ihm näher liegenden ereignisse allen glauben verdient ; das weiter ent- 
fernte ist nur kurz und ungenau behandelt. Wir werden weiter unten 
zeigen, wie dieser bericht mit dem briefe Stephans V vollkommen im 



*) Acta SS Martii, Vol. II p. *19. 
*> Ebeod. p. *14 



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einklang ist, und dadurch beide gegenseitig ihre richligkeit verbürgen, 
und sich vortrefflich ergänzen. 

Diese äbersicht zeigt schon , dass wir uns eben nicht sehr über 
den mangel verläszlicher quellen beklagen dürfen; in der folgenden 
darstellung werden wir denselben genau folgen , und was dennoch dun- 
kel bleibt, als solches bezeichnen, ohne durch vermuthungen und wei- 
ter gehende Untersuchungen die Zusammenstellung zu unterbrechen. 



2. THESSALONICH. KONSTANTINOPEL. CHERSON. 

Über die herkunft der mahrischen apostel und den anfang ihrer 
Wirksamkeit gibt uns unter den genannten quellen fast allein die Trans- 
latio S. Clemenlis einige auskunft. Nach ihr waren jene beiden brüder 
von edlem geschlechte ^) , und stammten aus Thessalonich. Konstantin 
erhielt wegen der wunderbaren Vorzüge seines geistes , welche ihn von 
seiner kindheit an auszeichneten, den beinamen des Philosophen, mit 
welchem er sehr häufig, unter andern auch von Johann VIII, bezeichnet 
wird; nachdem er erwachsen war, brachten seine eitern ihn nach Kon- 
stantinopel , wo er zum priester geweiht wurde. Als er später mit sei- 
nem bruder nach Mähren auszog, bat ihre mutter sie mit vielen thranen, 
wenn einer von beiden brüdern sterben würde, so möchte der über- 
lebende die leiche nach seinem kloster zurückbringen. Sie scheinen also 
beide das mönchsgelübde abgelegft zu haben , wenn die worte so genau 
zu nehmen sind ; denn dasz Methodius auch mönch gewesen aei , ünde 
ich sonst nicht bezeugt ^). In Konstantinopel lernte Konstantin den be- 
rühmten Photius kennen , welcher sich damals noch als laie eifrig mit 
wissenschaftlichen arbeiten beschäftigte ; eine verwandte geistesrichtung 
scheint beide eng verbunden zu haben. Wir erfahren dieses durch die 
erzählupg eines Zeitgenossen, des bibliothekars der römischen kirche 
Anastasius, welche in dessen vorrede zu seiner Übersetzung der Ver- 
handlungen des achten concils zu finden ist. Photius, berichtet er, hatte 
einige jähre vor seiner erhebung zum patriarchen (857) die lehre ver- 
theidigt , dasz der mensch zwei seelen habe ') . Darüber machte ihm 



*) N.nch Thomas von Spalatro und anderen späteren quellen waren sie 

söhne des patriziers Leo. 
*) In den Olmüzer Urkunden heiszt Cyrillus frater , Methodius nicht 
*) Nämlich die «j^u^ii Xoycxn und t^X^ aXoyo; Vgl Neanders Gesch der 

chrisliichen Kirche, IV, 593 _^ 

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7. 

sein vertrauter freund — fortissimus amicus — Konstantin der Philo- 
soph, ein mann von groszer heiligkeit, heftige vorwürfe, dasz er ge- 
blendet durch hasz gegen den patriarchen Ignatius des Verderbens nicht 
geachtet habe , welches er dadurch so vielen seelen bereitete. Vermuth- 
lieh hörte von nun an ihre freundschaft auf, wenigstens würde Anasta* 
sius einen anhänger^^des patriarchen Photius schwerlich so sehr gelobt 
haben. — Die slavische spräche kennen zu lernen hatte Konstantin so- 
wohl in Tbessalonich wie in Konstantinopel vielfache gelegenheit; eine 
alte Überlieferung setzt die erfindung der nach ihm genannten buchsta- 
ben in das jähr 855 Von geschichtlicher seite sehe ich keinen grund zu 
zweifeln^), und dasz dem Konstantin der rühm dieser erfindung ge- 
bährt, ist durch das ausdrückliche zeugnisz Johanns Vill in dem briefe 
an Methodius vollkommen sicher gestellt. 

In einem der folgenden jähre ^) scheint Konstantin zuerst seine 
tnissionsthätigkeit begonnen zu haben. Die Chazaren waren mit den 
Griechen in nähere Verbindung getreten, seit ihnen der protospathar 
Petionas auf ihre bitte um das jähr 838 eine grenzfestung gegen die 
Petschenegen gebaut hatte'); er selbst wurde als erster Statthalter vom 
kaiser hingeschickt« Die christliche lehre war ihnen gewisz nicht mehr 
unbekannt , aber wie wir es so häufig , z. B. bei den Bulgaren erwähnt 
finden, gab es auch bei ihnen unberufene missionäre, auf deren lehre 
sie nicht vertrauen konnten, welche sich unter einander bekämpften. 
Sie schickten also , wie die Translatio S. Clementis berichtet , gesandle 
an den kaiser Michael «» eine genauere Zeitbestimmung fehlt gänzlich — 
und baten um einen gelehrten mann , der sie im katholishen glauben 
wahrhaft unterweise ; „denn^S sagten Bie unter andern , „bald die Jii^- 
den bald die Sarazenen versuchen von der andern seite uns für ihren 
glauben zu gewinnen. Wir aber wissen nicht, wohin wir uns wenden 



') Ueber die sprachlichen gründe für und gegen die herkunft der slavischen 
kircbensprache und das verhältuisz der kyrillischen sehrift zur glagoliti- 
schen steht mir kein urtheil zu: es ist sehr viel darüber gescluieben 
iv Orden , aber noch sind die akten wohl nicht spruchreif. 

*) im jähre 860 nach einer slavisch geschriebenen erzählung von der auffin 
düng der gebeine des heiligen Clemens, verfaszt von einem augenzeugen. 
Die auffindung, welche während Konstantins aufenthalt zu Cherson statt 
fand wahrscheinlich am 30 Januar . wird hier in das Jahr 861 gesetzt. 
Gasopis Ceskeho Museum 1840. pag. 14. anm. 10. 

') Assemanni Calend. H. p. 371, doch vgl. iMeumanu, die Völker des südli- 
chen Russlands, p. 103. _^ 

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.8 

sollen, und haben darum beschlossen, bei dem höchsten und katholischen 
kaiser rath zu suchen; denn auf euere treue (fides) und alte freundschafi 
setzen wir das meis?e vertrauen." — Ein solches zusammentreffen ver- 
schiedener bekehrungsversuche wird in ähnlicher weise von den Bulga- 
ren ^) und den Russen^) berichtet, aber nur hier hatten sie den merk- 
würdigen erfolg, dasz das volk sich friedlich in die verschiedenen be- 
kenntnisse theiite , und Heide und Muselmann , Christ und Jude sich ne- 
ben einander einer gleichheit der rechte erfreuten , welche herr Neumann 
den Staaten des neunzehnten Jahrhunderts als vorbild aufstellt ^). Unsere 
legende sagt freilich , dasz Konstantin , den der kaiser nach dem rathe 
des Patriarchen zu den Chazaren absandte, sie alle bekehrt habe, wor- 
auf sie ihn mit groszer ehre zurücksandten , und dem kaiser zum danke 
dafür ewige Unterwürfigkeit gelobten, dem Konstantin aber auf seine bitte 
alle fremden gefangenen frei gaben ; diese allgemeine bekehrung ist aber, 
wenn wir auch unserer legende hierin unbedingtes zutrauen schenken 
dürften , nur von sehr vorübergehender Wirkung gewesen. Denn woll- 
ten wir auch etwa die unbestimmten ^^Sie'^, welche im namen des gan- 
zen Volkes beschlusse fassen , auf die groszen des reichs und die familie 
des chakan beschranken, so melden uns gerade von diesen später die 
Araber, dasz sie Juden waren, vorher aber zum Islam sich bekannt 
hatten. Aber darum die ganze sache zu leugnen , sind wir doch nicht 
berechtigt*), weil eine solche mehr aus politischen rücksichten erfolgte 
bekehrung eben so schnell stattfinden als wieder aufgegeben werden 
konnte; wie häufig fand z. b. der bischof Otto von Bamberg die gemein- 
den als beiden wieder, welche erst kurz vorher durch formUchen volks- 
beschlusz zum christenthume übergetreten waren. 

Auf dem wege zu den Chazaren hielt sich Konstantin einige zeit 
in Cherson auf, um die spräche der Chazaren kennen zu lernen ; zu- 



*) Wenigstens fand papst Nikolaus es für nöthig ihnen anzuratben , die den 
Sarazenen abgen mmenen bücher zu verbrennen. Ein Jude hatte viele 
Bulgaren getauft , sie wuszten aber nicht, ob er „christianus an paganus'* 
sei. Siehe Nikolaus antwort auf ihr»» anfragen , bei Mansi Coli. ConciL 
XIX 432. 

') Schloezer, Russlands älteste Beziehungen zu Skandinavien und Ronstan- 
tinopel. p. 27. 

') Die Völker des südl. Russlands, p. 10 1. 

♦) Sehr glaubwürdig erscheinen hierüber die angabeq der pannonischen le- 
jgen(|e, yergl. dl* Nachschrift. 



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gleich fand er auch nach eifrigem suchen die gebeine des heiligen Cle- 
mens, welche er feierlich in der hauptkirche zu Georgia niederlegte, 
später aber mit sich fortführte. So die Translatio *) , welche in der 
durch Anastasius bezeugten uberbringung der reliquien nach Rom ihre 
bestätigung findet 



a. RASTISLAW. BOGORIS. 

„Als aber Rastislaw, der fürst von Mähren, vernahm, was der 
Philosoph bei den Chazaren ausgerichtet habe, wollte auch er für sein 
volk sorgen, schickte zum kaiser Michael gesandte, und liesz ihm mel- 
den , dasz sein volk den götzendienst freilich verlassen habe , und die 
christliche lehre zu halten wünsche; aber es f^hle ihnen ein lehrer, der sie 
im lesen und im wahren glauben selbst unterweise , darum bitte er den 
kaiser, dasz er ihm einen solchen lehrer schicken möge. Der kaiser gewährte 
seine bitte, liesz den Philosophen vor sich kommen, und sandte ihn 
nebst seinem bruder Methodius dahin , d. h. in das land der Slaven." ^ 
Die brüder reisen ab , bleiben vier und ein halbes jähr in Mähren , und 
werden dann vom papst Nikolaus, kurz vor dessen tode, nach Rom be- 
rufen. Hiernach sind sie also im anfange des Jahres 863 abgereist. 
Damals stand Rastislaw im feindlichen verhältnisz zu Ludwig dem 
Deutschen ^), und ein engeres anschlieszen an das griechische reich 
ist daher leicht zu erklären. Aber die Bulgaren? — Ja , deren» erwähnt 
die Translatio so wenig , wie die Vita Ciementis der Chazaren. Und in 
allen den ausführlichen aktenstücken , welche über die bekehrung der 
Bulgaren noch vorhanden sind , in den Streitschriften zwischen Rom und 
Konstantinopel über diesen gegenständ — nirgends ein wort über die 
brüder. Dagegen haben spätere Byzantiner ein geschichlchen über die 
bekehrung des Bogoris durch einen gewissen mönch Methodius, von 
Konstantinopel gesandt, seiner profession nach einen maier, welcher durch 



^) am 30. December cap 3- Das ist vielleicht nur ein Schreibfehler, da der 
Ostromirische Kalender die auffindung der reliquien zum 30 Januar ver- 
zeichnet. Kop Glag. p. LXVI. — Auf diese auffindung bezieht sich die 
aus Leo von Ostia angeführte stelle. 

*J Translatio S Ciementis. 

') Denn (Ue versuchte Unterscheidung zwischen Rastislaw und Rastiz kommt 
mir durchaus unwahrscheinlich vor. 



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10 

ein ^eniälde des Weltgerichts solch einen eindruck auf den könig macht, 
dasz er sich taufen läszt. Diesen mönch hat man für unsern Metbodius 
gehalten , der so bei dieser einzigen gelegenheit seinen bruder gänzlich 
verdunkelt hätte. Aber kann man denn mit irgend einem grade von 
Wahrscheinlichkeit annehmen , dasz Byzantiner auf solche weise den da* 
mals schon sehr bekannten, hoch verehrten erzbischof Metbodius be- 
zeichnet haben würden? Der name war durchaus nicht selten — erst vor 
kurzem hatte ein patriarch ihn geführt — und kann daher nichts ent- 
scheiden« Die Wahrheit der geschichte lassen wir dahin gestellt, und be- 
merken nur, dasz Anastasius in derselben vorrede zum achten concil, 
wo er den Konstantin so hoch gepriesen hat, behauptet^ der könig der 
Bulgaren mit seinem volke habe den christlichen glauben empfangen 
durch einen homo Romanus, den priester Paulus ^). Die Vita Clementis 
spricht aber allerdings von der thätigkeit der brüder unter den Bulgaren, 
hier erfinden sie die slovenischen buchstaben, übersetzen die heiligen 
Schriften , bringen sie dann nach Rom , wo Metbodius zum erzbischof 
von Mähren ( Mopaßov rijs iJawovias) geweiht wird , dessen vorher 
noch gar keine erwähnung geschehen ist. Zurückgekehrt belehrt er den 
Ratislaw , aber auch den Bogoris , den er schon längst zu seinem söhne 
gemacht hatte *) : nämlich durch geistliche Unterweisung oder gar durch 
die taufe. — Die Vita Clementis ist über die älteren Zeiten sehr ungenau, 
und kann da gegen die Translatio nicht zeugen; war Bogoris von einem 
Melhodius getauft , so lag nichts näher als eine Verwechslung dieses un- 
bekannten mönches mit seinem gefeierten namensgenossen; dasz aber 
Metbodius nicht vor seiner berufung nach Rom in Mähren gewesen sei, 
ist schon wegen seiner weihung zum erzbischof von Mähren unglaublich. 
Daher scheinen mir die genauen angaben der Translatio durchaus vor- 
zuziehen; die gesandtschaftRastislaws hat neben den bekannten gesandt- 
schaflen der Bulgaren mit ähnlichen auftragen gar nichts auffallendes, 
und sein land ist demnach als das ziel ihrer reise festzuhalten. Aber ehe 
sie dasselbe erreichten, muszten sie Bulgarien berühren, wo gerade da- 
mals griechische missionäre thätig waren , und es ist kein grund anzu- 
nehmen , dasz nicht auch Konstantin und Metbodius , mit der kenninisz 
der spräche und mit übersetungen aus der heiligen schrift ausgerüstet'), 



') Maiisi Coli. Conc. 10. A. , XVI. 

*) xa< nctXai \kiv t&xvgv inciricaro, c. 4« 

•) nach der Translatio S Clem. c 7. 



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sich dort eine Zeitlang aufgehalten haben , und in Verbindung mit Bo- 
goris getreten sind. Vielmehr muszte ihnen hierzu schon die klugheit 
rathen, und ihr bekehrungseifer durfte äe die günstige geiegenheit 
nicht versäumen lassen. 

Wir folgen nun ferner dem Verfasser derTranslatio: „Die einwoh- 
ner des Slavenlandes waren hocherfreut , als sie die ankunft der brüder 
vornahmen, welche, wie sie gehört hatten, die reliquien des heiligen 
Clemens und eine Übersetzung der evangelien in ihrer mutterspracbe mit 
sich brachten. Sie zogen ihnen daher aus der Stadt — doch wohl Ras- 
tisiaws hauptstadt, von der wahrscheinlich der italienische Verfasser so 
wenig wie die heutigen gelehrten wuszte , wo sie eigentlich lag , die 
rathselhafle Stadt Mopaßos der Vita dementia^), woMethodin der haupt- 
kirche zur linken seite in der wand hinter dem altare der heil. Gottes- 
gebärerin begraben liegt ^) — entgegen und empfingen sie mit groszer ehre 
und fröhlichkeit. Konstantin und Hethodius begannen mit eifer ihr amt 
zu verwalten, die kleinen im lesen und schreiben zu unterrichten, den 
gottesdienst einzurichten , und mancherlei irrthümer, welche sie bei dem 
Volke vorfanden, durch ihre beredsamkeit auszurotten. So verweilten 
sie vier und ein halbes jähr in Mähren , unterwiesen das volk im katho- 
lischen glauben, und Heszen ihnen alles schrifihch zurück^ was zum 
gottesdienst erforderlich ist. 

Als der papst , der liochberühmte Nikolaus , das vernahm, freute 
er sich sehr über alles , was ihm davon erzählt wurde : schickte hin, 
und lud sie durch ein apostolisches schreiben ein, zu ihm zu kom- 
men. Über diese botjschaft hatten sie grosze freude, und dankten Gott, 



') DÖrdlich von der Donau nicht sehr weit von Belgrad gelegen. Siehe 
c 16. 

*) Bulgar. legende bei Dobrowsky , Mährische legende p. 66 ; vgl. F. Blum- 
berger in den Wiener Jahrbüchern XXXVII. pag. 71 Kopitar Glag p. LXXII. 
Schafarik hat sich für Hradisch an der Marcb, einst Welehrad, erklärt, 
aber vielen Widerspruch gefunden. Das bekannte Capitel in Nestors Anna- 
len versetzt Mähren nach Illyrien , und auch Johann VIII in der instruction 
für den bischof Paulus von Ankona bezieht sich auf das alte recht des rö- 
mischen Stuhles auf Illyrien. Auch war Sirmium wirklich die alte mc- 
tropole von Illyrien. — Wo ich später der ' assauer diöcese erwähne, 
geschieht es hur unter der hypothetischen Voraussetzung, dasz Methods 
Sprengel sich auch dahin erstreckte. Von Passauer klagen hören wir erst 
bei der neuen Ordination von bischöfen 899. 



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12 

dflsz nie würdig befunden waren , vom apostolischen stähle berufen zu 
werden.« 

So die Translatio. Von Streitigkeiten mit abendländischen geistli- 
chen ist hier keine rede, sie werden gar nicht erwähnt. Und doch müs- 
sen deren wohl vorhanden gewesen sein. Rastislaw und sein volk waren 
nach dieser erzählung selbst schon getauft , und zwar von Deutschland 
aus. Sein land , so streitig auch dessen läge ist , umfaszte doch wahr- 
scheinlich einen theil der Passauer diöcese nach der grenzbestimmung 
von 829 5 wo der abgesetzte bischof ürolf sogar vier bisthumer errich- 
tet haben soU^), und im süden vielleicht ein sfuck des Salzburger 
sprengeis. Allein das weite land war für die kräfle der beiden bisthumer 
zu grosz , und bei feindlichen Verhältnissen zwischen Deutschland und 
Mähren schwer zugängUch. Fanden die neuen missionäre priester vor, 
so mögen sich diese selbst über die mitarbeiter bei der reichen ernte ge- 
freut haben : jene machten keinen anspruch auf bischöfliche Obergewalt, 
und die Übersetzungen der heiligen Schriften , welche sie mitbrachten, 
kamen auch den Deutschen zu gute, welche diese arbeit bisher vernach- 
lässigt hatten. Denn dasz diese damals eine aufgäbe auch für römi- 
sche missionäre war, sehen wir ja schon an den resten altdeutscher 
Übersetzungen, und dasz man auch von Deutschland aus bei der be- 
kehrung der Slaven die spräche derselben zu hülfe nahm , wie es ja 
auch nicht anders sein konnte, ist ausdrücklich bezeugt ^). Erst Gre- 
gor Yll fährte 1 080 als grund gegen einführung der slavischen Uturgie 
an , dasz es besser sei , wenn die heilige schrift nicht allen verständ- 
lich werde, weil sie dann dem miszverständnisze ausgesetzt sein 
würde '). 

Über die thätigkeit der brüder berichten unsere quellen nur von Un- 
terricht und lehre, und von der einrichtung des Gottesdienstes, aber weder 
von slavischer liturgie, noch von der ausübung bischöflicher rechte. Kirchen 
müssen doch wohl schon vorhanden gewesen sein ; die einweihimg neuer 
stand ihnen nicht zu. Nur die aufzeichnung des Olmüzer codex über die 
einweihung der Peterskirche daselbst durch Kyrill spricht dagegen , aber 



^) Die falschheit dieser nachricht und der angeblichen päpstlichen bestäti- 
gung wird jedoch von Filz nachgewiesen. Siebenter Bericht s. 74. Die 
pannonische legende redet aber von deutschen bischöfen in Mähreo. 

') Schafariks slavische Alt II. p. 322 und 325 n. 3. 

*) an Wratislaw, bei Boczek. p. 168. ' 



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13 

schon die anwendung dieses namens, der damals noch nicht gebräuchh'ch 
war *), erregt die vermuthung, daszdienotiz erst später geschrieben ist *). 
Haben sie sich wirklich solche handlunged erlaubt , so konnten Streitig- 
keiten mit den abendländern kaum ausbleiben, aber es wird nichts davon 
berichtet^). Dogmatische Streitigkeiten scheinen sie, vom wahren 
geiste des Christenthums erfüllt, überhaupt vermieden zu haben; und 
sie hatten auch allen grund zur vorsieht , isolirt wie sie waren , seitdem 
die Bulgaren sich den Deutschen und dem römischen stuhle so eng ange* 
schlössen hatten , dasz sie sogar alle griechischen geistlichen aus dem 
lande jagten *). 

Die nähern umstände ihrer berufung nach Rom sind uns nicht über- 
liefert. Nach der Vita Clementis waren sie aus eigenem antriebe hingereist, 
um die Übersetzungen der heihgen schriflen dem papste darzubringen. 
Wahrscheinlicher ist , dasz sie von Nikolaus, der so eifrig die römischen 
diöcesanrechte aufrecht hielt , berufen worden sind. Auf ihren entschlusz 
wird Rastislaws politische läge nicht ohne einflusz gewesen sein^); aber 
auch die übrigen Verhältnisse reichten hin , sie zu der reise nach Rom 
zu bewegen. Konstantins freundschail mit Photius scheint längst aufge- 
löst gewesen zu sein , und wenn sie , wie wir nicht anders annehmen 
können, wirklich, von feurigem eifer für das werk der christianisirung 
beseelt waren, so muszte es ihnen bedenklich erscheinen, sich dem 
ehrgeizigen Photius anzuschlieszen , den des kaisers despotischer wille 
auf den stets durch parteiungen erschütterten patriarchenstuhl gesetzt 
hatte ^) , während Nikolaus im unbestrittenen besitz der päpstlichen tiara, 
eben durch den hirtenbrief an die Bulgaren ein denkmal des groszen 
geistes aufgesteUt hatte , durch welchen er das papsthum auf seiner 



^) er findet sich zuerst in der Vita Clementis gebraucht. 

*> für herm Gfrörer bemerke ich , dasz die Jahreszahl 863 nur uf Bo- 
czeks vermuthnng und dem räthselhaften , seit Boczeks tod verscholle- 
nen Hildegardus Gradicensis beruht. Cod. dipl. p. XI. 32. 

*) Vielmehr spricht der umstand , dasz sie ihre schuler mitnahmen , welche 
dann in Rom die priesterweihe erhielten , dafür , dasz sie sich noch aller 
bisehöflichen Verrichtungen enthielten Auch die pannonische legende gibt 
andere gründe des miszverhältnisses an 

^) im jähr 866; Gesta Nicolai I. c. 609. ed. Blanchini. 

*i das verhältnisz kann aber auch umgekehrt gewesen sein 

*) Seine absclzung 867 konnte ihnen wohl noch nicht bekannt sein ; nach- 
her war aber das römische übergewicht gerade am gröszten. 



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bahn einen so gewaltigen schritt vorwärts führte. Dazu befanden sie 
sich ganz unstreitig im gebiete der römischen kirche , so dasz sich alles 
vereinigte , der aufforderung des papstes das gröszte gewicht zu geben. 
Mit dem leichnam des heiligen Clemens versehen , begleitet von ihren 
schutern begaben sie sich nach Rom. Aber als sie ankamen, war papst 
Niikolaus vor kurzem gestorben am 13. November 867, so dasz 
also ihre berufung in den herbst, die ankunft an das ende des jabres 
867 zu setzen ist. Papst Hadnan, welcher sie in Rom schon empfing^ 
bestieg den Stuhl Petri am 14. December« 



4 ROM. KONSTANTINS TOD. 

Die Übertragung der gebeine des heiligen Clemens nach Rom durch 
Konstantin den Philosophen, unter Hadrian II, berührt auch der biblio- 
thekar Anastasi us in einem briefe an kaiser Karl den Kahlen ^). Man 
könnte sonst fast versucht werden , daran zu zweifeln , da in den Gestis 
Pontificum Romanorum kein wort darüber vorkommt; freilich ist auch 
die ganze mährische angelegenheit dort mit stillschweigen übergangen. 
Dagegen wird in der Translatio der empfang in Rom und die freude des 
papstes sammt aller geistlichkeit und dem ganzen volke gar herrlich ge- 
schildert — ganz wie wir es in zahlreichen berichten von andern Übertra- 
gungen von heiligen gebeinen zu finden pflegen. Die Vita Clementis schil- 
dert die freude der Römer zwar eben so schön , bezieht aber alles auf 
die brüder selbst und die bibelübersetzung , ohne der reliquien irgend 
zu gedenken. 

Die Translatio berichtet nun ferner, dasz beide zu bischöfen ge- 
weiht wurden ; Konstantin aber zog sich im Vorgefühl seines todes in 



'> nämlich bei Übersendung der Schriften des Dionysiu^ Ariopagita ; gedruckt 
in : Veterum epislolarum Hibemicarum sylloge. Ck)llegit Jac. Dsserius. 
Dublinii 1632. 4. seite 67 Die m rkwürdige stelle lautet : „Denique vir 
magnus et apostolicae sedis praeeeptor Gonstantinus philosophus, quiRo- 
mam sub venerabilis memoriae Adriano juniori papa veniens , S Clemen- 
tis corpus sedi suae restituit — quique totum codicem saepe memorati 
et paemorandi patris memoriae commendabat, et quantum atilitatis me- 
dulla ejushaberet, auditoribus commeDdabat — solitus erat dicere: quod 
si sanctos videlicet priores institutores nostros qui haereticos vix et 
quodamooodo cum fuste decoUaverant , Dionysium cootigisset liabere , cum 
acuto illos gladio procul dubio trucidassent. 



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15 

ein kloster zurück, nahm nach einer ihm gewordenen Offenbarung den 
nauien Cyrili an, und entscbKef nach 40 tagen am 14.februar. Mit gro- 
szen ehren wurde er in der kirche des heihgen Clemens bestattet ; mit 
den näheren umständen , bei denen wir uns hier nicht aufzuhalten brau- 
chen, schlieszt die Translatio Clementis. Indem 1057 für den fürsten 
Ostromirvon Nowgorod geschriebenen Kalender ist zum 14. Februar 
das andenken an unsem ehrwürdigen vater Konstantin den Philosophen, 
genannt im mönchstum Kyrill , verzeichnet *> Auch die Vita Clementis 
hat nichts von seiner weihe zum bischof , und läszt ihn in Rom erst 
mönch werden. 



5. ERZBISTHVM MAEHREN. 

Als Konstantin und Methodius die reise nach Rom antraten, nah- 
men sie von ihren schälern diejenigen mit sich., welche sie der bischöfli- 
chen weihe würdig erachteten ^). Also war schon damals die errichtung 
eines bisthums in Mähren im werke. Freilich könnte man an die von 
Urolf errichteten bisthümer denken, aber von denen ist später gar nicht 
mehr die rede , und von den ansprächen der angeblichen alten metropole 
Lorch findet sich in unsem quellen keine spur. Viel mehr Wahrscheinlich- 
keit ist dafür vorhanden, dasz Rastislaw, der sich schon mit seiner bitte 
um lehrer nach Osten statt nach weslen gewandt hatte, entschlossen 
war, die Verbindung mit Salzburg und Passau aufzuheben, und über 
die Stiftung eines eigenen erzbisthums für sein land , das ziel des stre- 
bens bei allen neubekehrten Völkern , mit Nikolaus I bereits Verhandlun- 
gen angeknüpft hatte. In früheren Zeiten hatte es eine pannonische diö* 
cese gegeben , deren metropolit in Sirmium seinen sitz hatte. Hadrian II 
erneuerte dieselbe , und entzog dadurch Salzburg und Passau den ih- 
nen von Pippin , Karl dem Groszen , und Ludwig dem Deutschen zuge- 
theilten Sprengel. Vom papste war ihnen derselbe nie bestätigt worden ; 
die folgenden reclamationen gründeten sic^h nur auf den unangefochtenen 
besitz und die bekehrung der ein wohner. Aber Rom machte dagegen die 
Unverjährbarkeit seiner rechte geltend. 

»Wenn jemand über die zahl der verflossenen jähre klage erhebt, 
heiszt es in des Instruction Johanns VIII für seinen legalen Paulus, bi- 



') Kopitar Glag. p LXVI. 
*) Translatio S. Clementis 



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16 

schof von Ancona ^), so wisse er dasz uoter Christen für solche fälle ein 
bestimmter Zeitraum festgesetzt ist. Wo aber die wuth der beiden und 
ungläubigen dazwischen getreten ist , mögen noch so viele jähre verge- 
hen ; das kann den rechten der kirchen nicht schaden , welche dem ge- 
brauche der irdischen waiTen fremd , geduldig auf den Herrn warten, 
wann es Ihm gefallen werde Sich über sie zu erbarmen. Hat doch der 
Erlöser selbst nach so vielen tausend jähren das menschengeschlecht von 
der gewalt der höUe befreit. Und an könig Ludwig schrieb er ^), 
es stehe urkundlieh und geschichtlich fest , dasz die pannonische diöcese 
seit alten zeiten her dem römischen stuhle zustehe. Aber weil wegen 
eingetretener kriegszeiten lange kein bischof von Rom aus hingesandt 
ist, sind die davon nicht unterrichteten in zweifei gekommen. Von der 
zahl der jähre aber möge niemand einen anlasz zum widerstreben neh- 
men ; denn die rechte der heiligen römischen kirche , welcher wir nach 
gottes willen dienen, empfangt sie auf dem felsengrund (petra) der fe- 
stigkeit auf dem unerschütterlichen felsen ; sie werden durch keine länge 
der zeit gemindert , keine theilungen der reiche können ihnen eintrag 
thun. Aber auch das ehrwürdige römische recht läszt die präscription 
erst nach 100 jähren zu/^ So schrieb Johann VIII, und von demsel- 
ben bewusztsein ausgehend wird iladrian 11 unbedenklieh den Metho- 
dius zum erzbischof von Pannonien ') geweiht haben. Ob damals 
schon ein Widerspruch erhoben worden ist, erfahren wir nicht. Zugleich 
empfingen seine Schüler die weihen als priester und diakone; die Vita 
Ciemenlis nennt darunter den Gorasd, Clemens, Naum, Angelarius 
und Sabbas, und erwähnt als bedingung der weihe eine hinlängliche 
kenntnisz der slowenischen spräche und schrift. 

Wie alle römischen missionäre , wie namentlich auch Bonifacius, 
muszte Methodius sich verpflichten in der lehre den ^dogroen der römi- 
schen kirche sich genau anzuschlieszen. Johann VlIl bezieht sich in 
zwei briefen *) auf sem schriftliches und mündliches versprechen, aber 



^) Boczek p. 35. Salagius de statu ecclesiae Paonon. VI, 239. aus Bonizo. 

Vgl die beilage. 
') Boczek p. 34. Timon Imago ant. Huog. 1. 142. ex cod. bibl. VaU 4886. 

fol. 86. 
') oder der mährischen kirche. Johann VÜI braucht beide ausdrucke; für 

den stuhl des h. Andronikus Sirmium) nach Nestor. 
„vester archiepiscopus ab antccessore noslro Adriane seil, papa ordina- 

tus." £p. Job. Vlll. i94. Boczek. p. 41. 



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17 

über den Inhalt erfahren wir nichts'). Gerade damals waren durch das 
rundschreiben des Photius die lehre über das ausgehen des Heiligen Gei- 
stes und das fasten am sabbat als differenzpunkte beider kirchen scharf 
hervorgehoben worden , und wir werden sehen wie auch in der mahri- 
schen diöcese dieser streit mit erbitterung durehgekämpft wurde, aber 
leider ist über die art wie sich damals Methodius mit Hadrian darüber 
verständigt hat, gar keine nachdcht erhalten. Die deutschen bischöfe aber 
hielten auf befehlkönig Ludwigs am 16. Mai 868 zu Worms eine synode; 
den bescfalüssen stellten sie ein glaubensbekenntnisz voran, worin auch 
das ausgehen des Heiligen Geistes vom Vater und Sohne ausgesprochen 
ist , und unter den unterschriOen ist die erste von allen die des erzbi- 
schofs Adalwin von Salzburg, dessen suffragane ebenfalls anwesend 
waren. 



6. METHODIVS IN PANNONIEN. 

Der neue erzbischof ging nun in seine diöcese zurück^), und er- 
müdete nicht den Rastislaw, den beherrscher Pannoniens Kozel, und 
auch seinen schüler von der frühem zeit her, Bogoris den Bulgaren- 
fursten, zu ermahnen und zu belehren. So die Vita Clementis, nach 
welcher sich also auch von Pannonien aus seine Wirksamkeit auf Bulga- 
rien erstreckte. Von Kozel hören wir hier zuerst; hier war kein ver- 
nachlässigtes kirchliches gebiet, wie beim Rastislaw; es war von Salz- 
burg aus christianisirt , von den erzbischöfen selbst fleiszig besucht: 
über 32 kirchen hatten sie dort eingeweiht, und der ^zpriester Rihbald 
stand dem kirchenwesen vor. Methodius trat nicht mehr als missionär 
auf, sondern er machte seine erzbischöfliche gewalt über ganz Pannonien 
geltend, gemäsz der in Rom beschlossenen Wiederbelebung des alten 
sprengeis von Sirmium. Es dauerte denn auch nicht lange, bis sich 
lebhafte klagen von Salzburg aus vernehmen lieszen. 868 oder im fol- 
genden Jahre reiste der neue erzbischof nach seiner diöcese ab; 871 
verfaszte man in Salzburg ein pro memoria , welches uns noch erhalten 



') Die beiden briefesind ep. 194. und 195. Bocz. p. 39. 40. 

') diesen Zeitpunkt meint vielleicht der biograph des h Clemens, wenn er 
cap. 3. die berufung der Bulgaren in das jähr 6377, d. h. ins jähr Christi 
setzt, welches mit dem ersteu September 868 begann. 

2 



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18 

ist. Ohne Zweifel war es für den könig bestimmt, dessen vorfahr das 
land zwischen der Donau und der Drau der Salzbnrger diöcese zuge- 
theilt hatte; nicht für den papst, da Methods erzbischöfliche weihe 
darin gänzUch mit stillschweigen übergangen wird. Die ganze geschichte 
der Salzburger kirche wird hier übersichthch dargestellt, besonders 
ihre Verdienste um die bekehrung von ßaiern , Kärnten , und dem theile 
von Pannonien, der ihnen zugetheilt war, worin gerade Kozel herrschte. 
Unbestritten , heiszt es da , verwaltete Rihbald sein amt bis ein gewis- 
ser Grieche, Methodius mit namen, mit neu erfundenen slavischen 
buchstaben die lateinische spräche und die römische lehre nebst den 
althergebrachten (auctorales) lateinischen buchstaben in dünkelhafter 
Weisheit verdrängend (philosophice superducens) der ganzen geaieinde 
theilweise (cuncto populo exparte, nämlich der slavischen bevölkerung) 
die messen und evangelien und den Gottesdienst derer, welche ihn la- 
teinisch feierten , verächtlich machte. Das konnte Rihbald nicht ertra- 
gen , und begab sich nach Salzburg zurück.^^ Darauf geht der Verfasser 
wieder etwas in die frühere zeit zurück, um Adalwins thätigkeit im 
Zusammenhang zu schildern, der noch 865 das weihnachtsfest, (nach 
unserer rechnung 864) in Moseburch bei Kozel feierte, in demselben 
jähre mehrere kirchen einweihte , andere im nächsten jähr und in der 
folgenden zeit. »Von der zeit also, schlieszt er, dasz durch die gäbe 
und die Verordnung des herren Kaisers Karl die bewohner des östlichen 
Pannoniens von den Salzburger erzbischöfen geleitet zu werden anfingen, 
bis jetzt sind 75 jähre verflossen *), in welchen kein bischof irgend eine 
geistliche gewalt in dieser grenzmark hatte, auszer denen von Salzburg, 
und kein fremder priester wagte es dort länger als 3 monate sein amt 
zu verwalten , ehe er dem bischof seine entlassung aus der andern diö- 
cese vorgezeigt hatte. So ist es dort gehalten worden , bis die neue 
lehre des philosophen Methodius aufkam/^ 

Der eingrifl* war also erst eben geschehen , freilich unter päpstli- 
cher autorität , aber davon erwähnt der Salzburger nichts. Auszer der 
Verletzung der diöcesanrechte beschwert er sich über die falsche lehre 
und über die slavische liturgie. Letztere kommt hier zuerst authentisch 
vor, und es ist auch sehr wahrscheinlich, dasz Methodius sich erst als 
erzbischof zu dieser neuerung berechtigt glaubte. Wie wirksam das 



'> also rechnet er von der aiiordnung Pippins 796 y nicht von Karls bestä- 
tigung803; denn 878 lebte Adalwin nicht mehr ^ er starb am 14. Mai 872 



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oogle 



19 

mittel war um die slavische bevölkerung für 8ich zn gewinnen , zeigten 
die Salzburger klagen sehr deutlich ; in kurzer frist war der erzpriester 
Rjhbald zum ruckzuge gezwungen, und zwar, wie es scheint, auch 
aus Kärnten O9 d^ er nach Salzburg zurückging. König Ludwig "gönn- 
ten die klagen nicht gleichgültig lassen; dasz ein ihm theiU factisch, 
tfaeils dem anspruche nach unterworfenes land von dem sprenget seines 
erzbisthumes losgerissen wurde, und durch die unmittelbare Verbindung 
mit Rom eine selbständige Stellung einnahm, war nicht so leicht zu ver- 
schmerzen« Leider fehlen uns alle nachrichten darüber; papst Hadrian 
starb 872; von seinem nachfolger Johann VIII hat sich das oben ange- 
führte bruchstück eines briefes an den könig erhalten , welches wohl 
der antwort auf seine reclamation entnommen sein könnte. Den ansprach 
auf Pannonien liesz Rom nicht fahren , aber eben so wenig war man 
dort andrerseits mit der slavischen messe zufrieden ; der papst schickte 
den bischof Paulus von Ancona als legaten nach Deutschland und Pan- 
nonien^ mit briefen für Methodius, worin er ihm dieselbe untersagte^). 
Zugleich aber zeigt das schon erwähnte bruchstück aus seiner Instruc- 
tion, dasz er die anspruche auf die pannonische diöcese durchzusetzen 
beauftragt war. Und er drang damit durch ; könig Ludwig mochte sich 
scheuen dem kräftigen und durch seine Verbindung^ mit Westfranken 
gefahrlichen papste entgegen zu treten; vielleicht war es auch eine 
bedingung des 874 mit Suatopluk geshiossenen friedens : genug er gab 
nach , und noch bei seinen lebzeiten konnte Johann VIIL an Ludwigs 
8ohn Karlmann schreiben ') : »Da uns das pannonische bit^thum zu- 
rückgegeben und restituirt ist , sei es unserm bruder Methodius, wel- 
cher vom apostolischen stuhle für dasselbe ordinirt ist , verstattet , nach 
altem herkommen alle bischöflichen handlungen frei und ungehindert 
vorzunehmen.^^ Salzburg war gänzlich aus dem felde geschlagen; 
Wühl mochten seine priester die zehnten mehr als die evangelien im 
äuge gehabt haben , dasz sie so gar leicht den gewonnenen boden ver- 



') Auch der unter deu bcilagen mitgetheilte auszug aus der schrift de 
comersione Bagoariorum et Carantanorum bestätigt , dasz durch Me- 
thodius auch Kärnten den Salzburgern entrissen wurde. Nach dieser an- 
gäbe wäre er von dort nach Mähren verdrängt worden; vielleicht liesz 
Salzburg gegen erstattung Kärntens seine anspräche auf Pannonien fallen. 

*) ep. Joh. VIII. n. 195. bei Boczek p. 39. 

■) Timon I. 143» „e praedicto Valicano tabulario", womit wohl nur die- 
selbe handschrift gemeint :st. Boczek p. 36. Ludwig starb 87 6 Aug 28. 

2* - T 

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_20 

loren % Schon Alkuin ermahnte den ersten erzbischof Arn : >,Sei ein 
Prediger der gfotlseligkeit , nicht ein eintreiber von zehnten, denn die 
junge Pflanzung ist mit der milch apostolischer milde zu nähren y bis sie 
heranwächst , erstarkt , und kräftig wird zur ertragung festerer speise. 
Die zehnten haben , wie man sagt, den glauben der Sachsen vernich- 
tet.*^ — In spätem zeiten , als der w^sth'che Iheil ihrer alten diocese un- 
bestritten wieder Salzburg zugefallen war, wird Sanct Gebhards name 
nicht genannt ohne seinen rühm zu preisen , dasz er zuerst die Slavea 
gezwungen habe zehnten zu geben*): daraufist Admunt gegründet. 
Mit den Deutschen gelang es erst seinem zweiten nachfolger Conrad; 
denn bis dahin wurden im ganzen erzbisthum kaum irgend welche zehn- 
ten gegeben , wie es in einer handschriftlichen lebensbeschreibung* heiszt. 
Am guten willen aber hatte es nicht gefehlt, denn die zehnten waren 
sämllich zu leben ausgethan. 

Damals musz sich Salzburg wohl in seinen vertust gefugt haben, 
denn im November 877 erhielt Dietmar von Rom das erzbischöflicbe 
Pallium für seine treue gegen den stuhl Petri '). 

Von Passauer klagen ist nicht die rede. Nach der andern seite er- 
streckte sich Methods sprenget aber auch über Kroatien. »Folge der ge- 
wohnheit deiner vorfahren , schrieb Johann VIII an den fürsten Monte- 
mer (duci Sclavoniae) , und suche so weit es dir möglich ist, zur panno- 
nischen diocese zurückzukehren. Und weil jetzt, Gott sei dank dafür, 
vom stuhle Petri ein bischof dorthin ordinirt ist, wende dich wieder an 
seine väterliche fürsorge *) « 

Über Methods weitere Wirksamkeit in Kozels besitzungen und in 
Mähren, wo mittlerweile Suatopluk auf Rastislaw gefolgt war, der nach 
längeren Streitigkeiten sich 874 eng an Deutschland anschlosz , wissen 
wir nichts als dasz des legalen ermahnungen vergeblich geblieben sein 
müssen. Suatopluk selbst verfiel in zweifei, mögen es nun wirkliche 
glaubenszweifel oder politische bedenken gewesen sein, und sandte den 
priester Johann — vermuthlich denselben Johannes von Venedig, der 



') der geist der kjageschrift der bairischen bischöfe von 900 führt auf solche 

vermuthung. 
*) Qui primus decimas constriuxit reddere justas 

Sclavorum gentem tantl doctoris egentem. üansiz Germania sacra II , 66. 
■) bei ßoczek p. 37. 
*) Timon I, 143 e cod. Valicano fol. 102 ß. 



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21 

schon 674 sein gesandter an könig Ludwig gewesen war, nach Rom. 
In folge dessen schrieb Johann VIII am 14. Juni 879 von neuem an 
Methodius, den erzbischof der pannonischen kirche: ^) »Während du 
durch dielehre deiner predigt das volk des Herrn, das dir als einem 
geistlichen hirten anvertraut ist , unterrichten und zum heile führen soll- 
test, haben wir vernommen, dasz du nicht das lehrest, was die hei- 
lige römische kirche von dem apostelfursten selbst überkommen hat, 
und taglich lehret, sondern das volk in irrlhum verleitest.« Er 
befiehlt ihm daher unverzüglich nach Rom zu kommen, um sich 
zu rechtfertigen, ob er so predige wie er es mit wort und schrill 
der römischen kirche gelobt habe. »Auch hören wir, fährt er fort, 
dasz du die messen in barbarischer d. h. in slavischer spräche 
singest. Wir haben dir deshalb schon durch briefo, welche bischof Pau- 
lus von Ankona überbrachte, untersagt, das hochamt in dieser spräche 
zu feiern ; nur in lateinischer und in griechischer spräche darf es ge- 
schehen, wie die über den ganzen erdkreis verbreitete und in allen 
Völkern wurzelnde kirche Gottes singt. Predigen oder eine rede vor 
dem Volke halten darfst du , da der psalmist alle Völker ermahnt Gott 
zu loben, und der apostel sagt: jede zunge bekenne, dasz Jesus der 
Herr sei zur ehre Gottes des Vaters." Dem Suatopluk aber schrieb er 
an demselben tage , und ermahnte ihn , fest an der römischen lehre zu 
halten. Dasz Methodius, wie er vernommen, anders lehre, verwundere 
ihn höchlich , und er habe ihn unverzüglich deshalb nach Rom berufen. 
Methodius mochte selbst die gelegenheit erwünscht sein , sich ge- 
gen falsche anschuldigungen zu vertheidigen , und über anderes mit dem 
weltklugen und verständigen papste'sich zu besprechen; sein ganzes le- 
ben zeigt, dasz er jeden streit gerne vermied, und so weit wie mögüch 
nachgab, um das werk zu fördern^ welches ihm wahrhaft am herzen 
lag. In begleitung von Suatopluks lehnsmann Semisisn machte er sich 
auf den weg nach Rom. 



7. METHODIVS IN ROM. 

Höchst überraschend ist der erfolg von Melhods reise. Falscher 
.ehre beschuldigt, wegen der slavischen liturgie hart getadelt, zog er 



ep. 195. Boczek p. 39. 

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22 

liin, um zur recheiuchaft gezogen zu werden, und er kam zurück, 
triumpbirend über seine feinde, fester wie je in seiner stdhmg nnd be- 
günstigt durch eine concession, wie sie noch keinem römischen missio- 
nar zu theil geworden war. Leider fehlen uns alle nachrichten über 
seine Verhandlungen mit dem papste, über die motive, welche diesen 
leiteten, über die Stellung, welche Methodius ihm gegenüber annahm. 
Nur aus dem briefe Johanns YDI an Suatopluk, welchen Methodius mit 
zurück brachte ^) , und aus dem weitem verlauf der ereignisse sind uns 
einige vermuthungen üb^ diese wichtigen Verhandlungen möglich« In 
den kämpfen , welche Johann VDI mit den Sarazenen wie mit den stets 
uneinigen italienisdien fürsten zu bestehen hatte ^ in den schwierigen 
Verwicklungen , welche ihm seine Stellung den zwietrachtigen und eifer- 
süchtigen Karolingern gegenüber bereitete, lernen wir ihn als einen klu- 
gen thatkraftigen mann kennen, welcher sich mehr durch eine gewandte 
und rastlos verfolgte politik , als durch eifriges festhalten dogmatischer 
Sätze auszeichnete. Sein Standpunkt war hoch genug, um innerhalb der 
kirche verschiedene ansichten und gebrauche zu dulden , und der besitz 
der eben von neuem wieder gewonnenen pannonischen diöcese zu wich- 
tig, um ihn durch rücksichtsloses handeln aufs spiel zu setzen. Das bei- 
spiel des kürzlich erst wieder verlorenen Bulgariens mahnte zur vorsiebt. 
Gerade jetzt hatte er wieder Verhandlungen mit ihnen angeknüpft durch 
den priester Johannes, welcher auch ein näheres verbältnisz mit dem 
dalmatischen fürsten Branimir und der geisthchkeit von Spalatro ver- 
mittelte'). Nicht allein stand Methodius, sondern eine zahlreiche grie- 
schische priesterschaft hielt sich fest an ihn '), und hatte durch die slavi- 
sehe liturgie und kenntnisz der landessprache einen bedeutenden einflusz 
gewonnen, welchem die Salzburger in kurzer zeit unterlegen waren. 
Es schien dem papste besser, den frieden zwischen ihnen und den frän- 
kischen pnestem zu erhalten, ab einen ungewissen kämpf zu wagen. 
Und warum sollten wir allein politische motive voraussetzen? Methodius 
wird nicht unterlassen haben, die gefahr darzustellen, welche durch 
eine unbedingte Verwerfung der griechischen lehre dem ganzen eben be- 
gonnenen werke der bekehrung und erziehung des volkes drohte. Wie 
viel auch er nachgegeben haben möge^ wissen wir freilich nicht, die 



') ep. 247. ßoczek p. 42. 

') ep. Joh. VllL 176. 183. 184. 189. 190 vom. 2. Mai bis 10. Juui 879. 

') 200 waren es bei seinem tode nach der Vita Clementis c. 6. 



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23 

^?eorte des briefes geben daräber keine bestimmte aaskanft. „Wir haben, 
heiszt es da , den Methodius, euern ehrwürdigen erxbischof, gefragt vor 
den bischöfen unsem brüdern , ob er das bekenntnisz des orthodoxen 
glaubens so halte und bei der feier der messe so absinge , wie es die 
heilige römische kirche hält, und in den heiligen allgemeinen concilien 
von den heiligen vatern nach der evangelischen lehre Christi unsers Got- 
tes verkündigt und überliefert ist.'^ Also ohne den zusatz filioque^ der 
d urch kein concil beslätigt war. „Er aber hat erklärt , dasz er nach der 
Evangelischen und apostolischen lehre , wie die heiKge römische kirche 
lehrt, und es von den vatern überliefert ist, halte und singe. Wir also, 
da wir ihn in allen kirchlichen lehren und dem , was erforderlich ist 
Cutilitatibus) rechtgläubig und förderlich (proficuum) erfunden haben, 
senden ihn euch als erzbischof zurück^^. Was aber hier als wesentliche 
kirchenlehre angenommen, was der ansieht des einzelnen anheimgestellt 
sei , erfahren wir nicht ; der griechische ritus mit allen seinen abwei- 
changen vom römischen wurde ohnehin unbedenklich geduldet ^), und 
aus den späteren begebenheiten scheint mit Sicherheit hervorzugehen, 
dasz Melhodius die römische lehre, dasz der heilige Geist vom Vater 
und dem Sohne ausgehe , niemals angenommen hat. In bezug auf den 
zweiten punkt, die slansche liturgie, ist kein zweifei, dasz Methodius 
den papst vollkommen von seiner frühern ansieht zurückgebracht hat ; 
seinem ausdrückhchen verböte vom vorigen jähre gegenüber führt er 
hier verschiedene gründe für den gebrauch derselben an , und nachdem 
er schon vorher die vom verstorbenen *) Konstantin dem Philosophen er- 
fundenen slavischen buchstaben gebilligt hat, schlieszt er mit den nach- 
drücklichen Worten : „Von wahrem glauben und rechter lehre ist nichts, 
das verhindere, die messe in derselben slavischen spräche zu singen, oder 
das heilige evangelium und die lectionen des alten und neuen bundes in 
guter Übersetzung zu lesen , und die übrigen tagzeiten zu singen , weil 
der, welcher die drei hauptsprachen, die hebräische , die griechische 
und die lateinische gemacht, selbst auch alle übrigen zu Seiner ehre und 
zu Seinem lobe geschaffen hat>' Doch befiehlt er der gröszeren ehre we- 
gen (propter majorem honörificentiam) das evangelium zuerst lateinisch 



') obgleich freilich ausdrücklich nie davon die rede ist ; die Vita Clementis 
berührt als differenzpunkte nur die lehrsätze, nicht einmal die slavische 
liturgie. 

schon Timon las richtig qwmdam. I. 146. 



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2^* 

und dann in slavischer Übersetzung zu lesen , wie das in einigen kircben 
geschehe* Wenn aber der fQrst und seine groszen es vorzögen die messe 
in lateinischer spräche zu hören, solle sie für ihn lateiniseh gefeiert 
werden. 

Auf dieser grundlage also hoffte der papst den frieden gesichert 
zu haben und die weitere ausbildung der neuen diöcese vornehmen zu 
können. Dem Mcthodius selbst bestätigte er feierlich seine erzbischöf- 
liehe wurde und die befugnisz alle kirchlichen anordnungen nach den 
kanonischen bestimmungen zu treffen; er empfiehlt ihn dringend dem 
schütze Suatopluks, dann giebt er ihm als ersten suffraganbischof den 
priester WICHING einen Alamannen *) , welchen Suatopluk nach Rom 
geschickt hatte, und den der papst zum bischofe von Neitra') weihte; 
die bestimmung eines zweiten bischöflichen sitzes überläszt er dem für- 
sten, und fordert ihn auf, zu passender zeit mit ein wiltigung des erz- 
bischofs einen passenden priester oder diaconen zu senden , damit er 
ihn zum bischof weihe , und nun mit diesen beiden der erzbischof neue 
bischofe ordiniren könne, wo er es für passend erachte. Alle geistlichen 
im lande, Slaven und andere, sollen dem erzbischof gehorsam sein, und 
wenn sie sich unterfangen ein ärgernisz oder eine Spaltung aufzurichten, 
und hartnäckig dabei bleiben, sollen sie landes verwiesen werden , nach 
inhalt der capitel, „welche wir ihm gegeben und an euch gesandt ha- 
ben'^. Leider besitzen wir diese capitel nicht. Der brief aber , dessen 
reichhaltiger inhalt uns bis jetzt leitete, ist vom Juni 880; mit ihm 
kehrte Methodius zuruok , und für das gedeihen seines sprengeis schien 
alles aufs beste geordnet zu sein. 



8 METHODIVS VND WICHING. 

Allein Methodius hatte hiermit den höhepunkt seiner Wirksamkeit 
erreicht; unmittelbar nachher begannen die Streitigkeiten^ welche ihm 
den rest seines lebens verbilterten , und zuletzt in hellen flammen auf- 
loderten. Der glaubenseifer der fränkischen und griechischen priester 
war nicht durch die weise mäszigung ihrer Oberhäupter in den gränzen 
brüderlicher Verträglichkeit zu halten, und die differenzen, welche Rom 



') Ann. Puld. 899. 

^) ecclesia Nitriensis. Ob es das heutige Neitra ist , ist freilich noch nicht 
bewiesen. 



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25 . 

von Konstantinopel schieden , entzündeten auch auf diesem gebiete die 
fackel der Zwietracht. In der Vita Clementis finden wir die bittersten 
klagen über die ketzereien der Franken , als deren fuhrer der ehrgei- 
zige Wiching genannt wird. Durch nachgibigkeit gegen alle lüste 
des wilden und rohen fursten hätten sie sich bei Saatopiuk eingeschmeichelt 
und ihn ganz für sich gewonnen. Ist auch diese aussage der gegner 
nur mit vorsieht anzunehmen , so ist doch die sache nicht unmöglich, 
und gewisz, dasz sich Suatopluk mehr und mehr auf ihre seite neigte. 
Nur ist es ungerecht, wenn diese nachsieht als ketzerische lehre der 
Franken bezeichnet wird, und schon durch den brief Stephans V ist die- 
ser Vorwurf hinlänglich widerlegt. Dem neuen bischof Wiching hatte der 
papst ausdrücklich befohlen , seinem erzbischof in allem gehorsam zu 
sein , aber dennoch fing er sogleich an , sich dem Methodius zu wider- 
setzen , und berief sich dabei auf auftrage des papstes , der ihn sogar 
eidlich dazu verpflichtet habe ; ja er scheint einen angeblichen brief des- 
selben an Suatopluk untergeschoben zu halben. Methodius muszte sich 
deshalb von neuem an den papst wenden , und empfing die noch erhal- 
tene antwort ^) vom 23. März 881 , worin dieser ihn gegen den bischof 
lebhaft in schütz nimmt. Freilich wird der bischof darin nicht genannt, aber 
da wir den Wiching als Methods gegner kennen, und keinen andern, 
auch überhaupt nicht gesagt wird, dasz der zweite pannonische suOVa- 
gan geweiht sei, am wenigsten schon so bald nach Wichings weihe, so 
bleibt wohl kaum ein zweifei daran, dasz hier kein anderer als Wiching 
gemeint sei. Johann VIII meldet Methodius seine freude an dessen ge- 
deihlicher Wirksamkeit , wiederholt kurz , was im vorigen briefe über 
seine rechtgiäubigkeit gesagt war, und bedauert lebhaft die Widerwär- 
tigkeiten , welche ihn betroffen haben. Er habe dem fürsten Suatopluk 
keine andern briefe geschrieben , als jenen , auch dem bischofe weder 
öffentlich noch heimlich etwas anderes befohlen^ geschweige denn ihm einen 
eid abgenommen, vielmehr kein wort mit ihm über diesen gegenständ ge- 
redet Er tröstet ihn in seinem kummer und verspricht , wenn Methodius 
nach Rom zurückgekehrt sein werde , die angelegenheit nach anhörung 
beider kanonisch zu beendigen und jenen zu bestrafen. Damit verlassen 
uns leider die briefe Johanns VIII, und wir erfahren nichts über den 
weitern verlauf dieser angelegenheit , nicht einmal , ob sie wirklich nach 



') n. 268. Boczek p. 44. 

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26 

Rom gereist sind. Im December 882 starb Johann YIII, und mit ihm 
verlor Hethodius seine feste stütze. 

Üeber den rest seiner lebenszeit geben uns auszer einer urkundli- 
chen aufzeichnung^ wornach er am 29. Juni 884 die Peterskirche in 
Brunn geweiht hat ^) , nur der brief Stepbans V und die Vita Clementis 
aufschlusz. Diese aber ist im einzelnen wenig genau , sie kennt nur eine 
reise Methods nach Rom, und stellt in allgemeinen umrissen dar, wie 
die verschiedene lehre über den heiligen geist die Zwietracht immer mehr 
entflammte; den fränkischen priestern, Wiching an ihrer spitze, gelang 
es den fürsten immer mehr und und mehr für sich zu gewinnen , indem 
sie ihn ungehindert seinen lasten sich hingeben lieszen, doch verhindert 
die ehrfurcht vor dem groszen Hethodius noch eine förmliche Verfolgung 
der rechtgläubigen , welche gleich nach seinem tode ausbrach. Die Vor- 
liebe Suatopluks für die abendländischen priester trotz seiner vielfach feind- 
lichen bernhrungen mit den deutschen fürsten, zeigt sich schon darin, dasz 
wir als seine gesandte nur Johann von Venedig und Wiching bezeichnet fin- 
den, keinen von griechischem oder slavischem namen ; auch deutsche krie- 
gerhatte er in seinem dienst ^). Der schlusz von Johanns VIII brirfan ihn 
läszt sogar vermuthen, dasz er gegen die slavische messe eingenommen 
war, und die lateinische vorzog, und der brief Stephans V bestätigt 
diese vermuthung. Auch fehlt es ja nicht an beispielen in der geschichte, 
dasz gerade kräftige slavische herrscher , z* b. Ottakar und Peter der 
Grosze, das ausländische vorzugsweise begünstigt und befördert haben. 
Doch geht aus der Vita Clementis klar hervor, dasz die liturgie nur ein 
nebenpunkt war, denn Bie erwähnt ihrer gar nicht; der hauptkampf be- 
traf vielmehr die abweichenden glaubenslehren. Im sommer 884 war 
Suatopluk noch bei der einweihung der Peterskirebe in Brunn durch 
Hethodius zugegen ; es musz also damals noch die feindschafi nicht of- 
fen ausgebrochen sein; vielleicht gab der 885 mit Arnulf geschlossene 
friede der partei Wichings die Oberhand. Hethodius sah sich genöthigt, 
über Wiching den bann auszusprechen ^) und sogar die angäbe der mäh- 
rischen legende^), dasz er den fürsten selbt mit seinen anhängern in den 



Boczek p. 47. Gleichzeitig scheint diese aufzeichnung im Iradilionsbuche 

der kirche auch .nicht zu sein , sonst aber sieht sie glaubwürdig aus. 
*) Vita Clem. cap. 13. 
•) Vita Clem. 7. 
*) ed. Dobrowsky p 43. vergl. p. 104. 

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27 

bann gelhan^ das land mit dem interdict belegt habe, scheint durch 
Stephans V brief bestätigt zu werden. 



9. STEPHAN V. 

In diesen Verwicklungen wandte sich Suatopluk an den papst; 
durch Wiching versicherte er ihn seiner unbedingten ergebenheit gegen 
den stuhl Pelri , und bat wegen dieser Verhältnisse um seinen rath. In 
Rom sasz seit dem sommer 885 schon der dritte nachfolger Johanns VIII 
auf dem thron. Hart bedrängt durch die inneren kriege und parteiungen 
in Itahen , mochte er wohl mit Freuden die gesandtschafl des mächtigen 
Fürsten empfangen , und auf die Vorstellungen desselben und seines bi- 
schofs ohne sehr sorgfaltige prüfung eingehen : ist es doch auch grö- 
szeren päpsten begegnet, dasz sie durch trügerische Vorstellungen ge< 
täuscht, verfugungen gegen das offenbare recht eriieszen , die sie selbst 
nachher als erschlichen zurücknahmen ^). Als in der fastenzeit 890 Sua- 
topluk mit könig Arnulf zusammenkam in Omuntesberch ^) , bat er ihn, 
vom papste dazu aufgefordert, nach Rom zu ziehen, und die kirche 
Petri gegen ihre feinde zu schützen '). Es ist dasselbe jähr, in welchem 
Regino den Suatopluk könig nennt ^), ein titel, den wir hier zum ersten- 
male in einer amtlichen Urkunde ihm gegeben finden. Wie so manche 
Fürsten nach ihrer bekehrung scheint er ihn vom papste erhalten zu 
haben, mit welchem er eben jetzt in engere Verbindung getreten 
war. Vielleicht war es gerade Wiching, welcher jene aufForderung 
des papstes an Suatopluk überbrachte. Wiching hat den Methodius 
offenbar hart beschuldigt, und es gelang ihm dadurch diese antwort 
zu erwirken : »Dasz Hethodius der falschen lehre , nicht der erbauung, 
dem streite , nicht dem frieden nachgeht , haben wir mit groszer Ver- 
wunderung vernommen, und wenn es sich so verhält, wie wir gehört 
haben , verwerfen wir seine falsche lehre gänzlich. Das anathema aber, 
aus Verachtung des katholischen glaubens hervorgegangen, wird auf 



') YcrgL Filz in den Wiener Jahrbb. Band 70. Anz. blatt p 32. In dieser 
ganzen sache sind alle päpstlichen erlasse bis auf Innocenz IV herab so 
verfaszt, als wenn keine früheren darüber vorhanden wären. 

*) Münzenberg in Obersteier nach Kopitar. Glagol, pag. LXXII. 

•) Ann. Fuld. 890 

*) Marahensium Sciavorum rex 890. 894 rex Alarorum Widukind 1, 19. 



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oogle 



28 

dessen haupt zurückfallen^ der es aussprach. Du dagegen und dein voIk 
werdet nach dem urtheile des Heiligen Geistes ohne schuld sein , wenn 
ihr die lehre, welche die römische kirche predigt, unverletzt hallen 
werdet.« Darauf verwirft er die slavische liturgie aufs entschiedenste, 
und beschuldigt den Methodius des meineids , weil er sie anwende , ob- 
gleich er auf den körper des heiligen Peter eidlich gelobt habe , es fer- 
nerhin nicht mehr zu thun. Dasz Methodius , wenn er überhaupt seit 
874 wieder in Rom gewesen ist, sich nach der ausdrücklichen erlaub- 
nisz Johanns VIH hierzu je verstanden habe , ist mir vollkommen un- 
glaublich , und ich kann darin nur eine falsche darstellung Wichings er- 
kennen, üebrigens wird auch hier wieder die Übersetzung und erklärung 
der evangelien und episteln in der landessprache erlaubt und lebhaft an- 
empfohlen. Den hauptinhalt des briefes aber bildet eine ausführliche be- 
gründung des jetzt entschieden zur kirchenlehre erhobenen satzes über 
die natur des Heiligen Geistes. Suatopluk wird ermahnt diese lehre 
ohne allen zweifei mit dem munde zu bekennen, und im herzen zu glau- 
ben, aber nicht über seine kräfte zu untersuchen — ganz im einklang 
mit der Vita Clementis, welche Suatopluk selbst sagen läszt: „Ich 
bin mir meiner groszen Unwissenheit wohl bewuszt, und bin einfaltig in 
betreff der glaubenslehren , denn was bin ich anders als ein ungelehrler^ 
am Christenthum aber halte ich fest, und werde daran halten; aber sol 
che Streitigkeiten, wie ihr aufbringt, verstehe ich nach gründen nicht 
zu entscheiden.'* Wiching, fährt Stephan V fort, habe er in der kirchen- 
lehre wohl erfahren gefunden , und sende ihn zur Verwaltung der ihm 
anvertrauten kirche zurück , weil er ihn auch dem Suatopluk treu er- 
geben und voD eifer für sein bestes gefunden habe. Er empfiehlt ihn an- 
gelegentlich seinem fürsten und geht dann auf die römischen Vorschriften 
über die fasten über , welche auch ein streitiger punkt zwischen beiden 
kirchen waren. Aber lieber noch als fasten seien dem Herrn alle werke 
der barmherzigkeit und liebe ; zu diesen fordert er Suatopluk ganz be- 
sonders auf Widerspenstige und hartnäckige irrlehrer werden in der ge- 
wöhnlichen schluszformel der landesverweisung preisgegeben *). Mit so 
scharfer waffe kam Wiching aus Rom zurück , mag er sie nun durch 



') Diesz sowohl wie die empfehlung Wichings zeigen fast dieselben werte, 
wie der brief Johanns VllI an Suatopluk von 880, was sich aus den her- 
kömmlichen kanzleiformeo leicht erklärt. 



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29 

seine klugheit oder durch geld *) erlangt , oder gar selbst verFertigt ha- 
ben ; die Wirkungen derselben lehrt uns die Vita Clementis kennen. Zwar 
den ehrwürdigen Methodius scheute Suatopluk sich anzugreifen, er 
hielt den bogen gespannt in seiner band , aber noch wurde das tödtliche 
geschosz nicht entsandt ^). Methodius starb in frieden ; er fühlte den tod 
nahen und ermahnte noch einmal seine schaler an der wahren lehre fest- 
zuhalten , ernannte den Gorasd zu seinem nachfolger — dann starb er 
im 24. jähre seiner bischöfhchen würde'), also um das jähr 892. Gleich 
nach seinem tode wandte sich die ganze wuth der gegner gegen Go^ 
rasd 5 der durch Wiching verdrängt wurde. Suatopluk ermahnte sie ver- 
geblich zur eintracht , da er aber sah , dasz ferner kein friede möglich 
war, entschied er sich für die Franken*), und diese thaten nach dem 
päpstlichen befehl : sie jagten ihre gegner aus dem lande. Nach vielen 
mishandlungen — die Vita Clementis^ die sonst den Suatopluk nicht 
schont , nimmt ihn doch hier in schütz , und schreibt es nur seiner ab- 
Wesenheit zu, dasz solche grausamkeiten verübt werden durften: er 
w^ürde es nicht gelitten haben, lieber die Donau flüchteten sich die an« 
hänger des Methodius nach Belgrad zu den Bulgaren , welche sie mit 
freuden aufnahmen ®). 

Aber auch Wiching konnte sich seines sieges nicht lange erfreuen; 
in dem eben jetzt ausbrechenden kriege zwischen Arnulf und Suatopluk 
konnte er seine Stellung nicht behaupten , und schon am 2. Septem- 
ber 893 finden wir ihn als Kanzler bei könig Arnulf®), in dessen 
gunst er sich fortwährend behauptete. Als 899 das Passauer bisthum 
durch Eugilmars tod erledigt war, erhielt Wiching dasselbe, gemäsz 
dem decrete Stephans V. von 886: dasz solchen bischöfen, deren 
diöceseu von den ungläubigen verheert seien, ein anderer erledigter 



') ich erinnere nur an die bemerkung der bairischen bischöfe, bei Boczek 
p. 61, dasz die Mährer sich rühmten, die Ordination neuer bischÖfe durch 
vieles geld durchgesetzt zu haben. 

*) Vita Clementis 5. 

') Vita Clementis 6. 

*) Vita Clementis 9. 

*) Vita Clementis 13 ff. 

*) Mon. Boica. XI. 436. Von da an finden sich viele Urkunden Arnulfs Yon 
Wiching ausgeferligt. Ueber die merkwürdige Urkunde Arnulfs , worin 
Wiching schon 898 bischof von Passau heiszt , siehe Filz , Siebenter Be- 
riebt, Seite 71. 



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bischofssitz gegeben werden dürfe ^); aber Deotmar von Salzburg 
und seine suffiragane sahen darin eine verletzang ihrer rechte, und 
setzten ihn nach einem jähre ab ^) ; ohne gefahr , denn sein mächtiger 
kaiser ruhte im grabe« 

10. SCHLVSZ. 

Und die pannonische diöcese^ um welche so lange, so eifrig 
gestritten war, was war aus ihr geworden? Nach dem tode des 
mächtigen fiursten, dessen söhne sich unter einander bekriegten, 
unterlag die hirtenlose herde rettungslos den wilden horden der 
Magyaren, und nur an den ruinen der niedergebrannten kirehen sah 
man die spur des Christ enthums. Als dann von Deutschland auch zu 
den Ungarn das evangelium gebracht wurde, finden wir keine er- 
wähnung von einheimischen geistlichen *). Achtum der fürst von Cha- 
nad empfing in Widdin die taufe nach griechischem ritus^). So war 
das feld zertreten, welches Methodius zu bebauen mit solcher liebe, 
mit so schönen hofi^nungen begonnen hatte. Und er selbst gekränkt, 
verfolgt von denen die ihn zu unterstützen berufen waren, erhielt 
noch zuletzt von Rom aus das verdammungsurtheil über seine lehre, 
und die slavische liturgie, durch welche er die herzen des volkes 
dem neuen glauben gewonnen halte, wurde erbarmungslos verworfen. 

„Ferne sei es, schrieb um das jähr 925 Johann X an diegeist- 
lichkeit der diöcese von Spalatro, dasz ihr die lehre des evangehum, 
und die bücher der kirchengesetze , so wie die Vorschriften der apo- 
stel verlassend, zu der lehre des Methodius euch wendet, den wir in 
keiner schritt unter den heiligen vätern genannt finden."*) Und an 
den könig Tamislaw und sein volk : ^, Welcher besondere söhn der 
römischen kirche , wie ja ihr seid , kann freude daran finden , in bar- 
barischer oder slavischer spräche das opfer darzubringen®)? Die le- 



*) Annalium Fuld. Pars V. bei Pertz, Monumeota Germ. I, 395. 

*) Vielleicht wirkte dazu auch der groll wegen erneuerung der pannoniscbeD 

diöcese mit , vielleicht die versuche Wichings, angebliche alle metropolitan 

rechte von Lorch zeltend zu machen. 
') auszer in der falschen Urkunde könig Steptians für IVeitra. 
^) V. Gerhard! ep. Moroseni (in Endlichers Monum. Arpadianis) cap. 10. 
') Farlatiy lUyricum sacrum 111. 93. 
•) ib p. 95. 



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guten , Johann bischof von Ankona , und Leo bischof von Präneste, 
welche die briefe überbrachten, hielten ein concil, dessen lOler ka- 
non strenge verbietet die messe slavisch zu singen, auszer im falle 
der noth, wo kein anderer priester vorhanden ist Johann X bestä- 
tigte die bescblüsse des concils ^). Im jähre 1059 kam Hainard, nach- 
her cardinal von S. Rufina , als päpstlicher legat nach DalmaÜen und 
Croatien ; ein concil unter seinem vorsitz erneuerte das verbot , und Ni- 
kolaus n wie Alexander 11 bestätigten dasselbe ^). Methodius wurde von 
den dalmatischen bischöfen geradezu einketzer genannt, was nach den 
päpstlichen aussprächen nur consequent erscheint'). Gregor VII entschied 
sich ] 080 eben so gegen die slavische liturgie in Böhmen , als herzog 
Wratislaw ihn um die gestattung derselben gebeten hatte ^)« 

Aber auch Methodius und seinen werken hat, wie so manchem 
andern, die weniger befangene nachweit späte gerechtigkeit zu theil 
werden lassen. Die slavische liturgie und schrift, in Bulgarien gerettet, 
wurde von den Slaven Rusziands mit eifer und liebe aufgenommen, und 
machte ihnen die namen Cyrill und Methodius hochverehrt ; ja selbst im 
gebiete der römischen kirche wurde ihr durch Innocenz lY duldung und 
anerkennung zu theil ^), und auch die römische kirche verehrt jetzt 
Cyrill und Methodius unter ihren heiligen ®). 

Indessen war mit Verwüstung der pannonisehen diöcese der streit 
über ihren besitz noch keineswegs beendigt. Moimar, dessen land nun 
ohne alle bischöfe war , wandte sich gegen das ende des Jahrhunderts 
an papst Johann IX , und erlangte von ihm die Ordination und absendung 
des erzbischofs Johannes nebst den beiden bischöfen Benedikt und An 
dreas, welche sogleich einen dritten bischof ordinirten* Die bairischen 
bischöfe säumten nicht, vielleicht auf derselben synode, wo Wiching 
abgesetzt wurde'), laute klagen zu erheben, und durch einen unge- 
mein heftigen und erbitterten brief vor den papst zu bringen , über diese 



') Farlati, Illyricum sacrum III. p. 101. 

») ib p. 128» 137. 

') diese stelle hat aueh Boczek. p. 134. 

*) bei Boczek p. 166. 

* 1248 in Islrien und Dalmatien, doch nur mit glagolitischer schrift , und 

nach römischem ritus. 
•) seit Karl IV. ihnen zu ehren eine kirche erbaute, s. Dobrowsky Cyrill 

und Method. p. 79. 
') Uihharius, der schon am eingang des briefes steht, wurde unmittelbar 



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32 

Verletzung der Passauer diöcese, welche unerhörter weise in 5 bisthü- 
mer zerspalten sei. Erzbischof Hatto von Mainz unterstüzte sie durch 
ein ähnliches schreiben. Von Salzburg ist nicht die rede — der erzbi- 
schof wird stillschweigend wieder zu sich genommen haben , was aus 
den bänden der Ungarn noch zu retten war *). Aber überhaupt wird 
die Sache als etwas ganz neues betrachtet; Methodius wird gänzlich ig- 
norirt, ebenso wie in der älteren Salzburger klage seine bestimmung 
zum erzbischof, und auch von Wiching sagen sie, er sei für ein neu 
bekehrtes, von Suatopluk erst unterworfenes volk ordinirt gewesen, 
durchaus nicht für die alte Passauer diöcese. Dasz darunter nicht etwa 
die alten Passauer grenzen vor der erweiterung durch könig Ludwig za 
verstehen sind, zeigt der bald nachher gebrauchte ausdruck: „Pannonia 
nostra.^^ Aber sollte etwa wirklich Methods sprenget sich auf den damals 
allein übrig gebliebenen rest von Suatopluks reich, etwa das heutige 
Mähren, nicht erstrekt haben, Wichings Nitria an ganz anderer stelle 
zu suchen sein, und jene Urkunden über kirchweihen in Olmüz und 
Brunn eben aus dem bestreben entstanden, sich von Passaus Oberge- 
walt frei zu machen ? — Wir überlassen das der entscheidung compe- 
tenter richten Jene leidenschafUichen briefe sind im besten falle nur 
eine trübe quelle — müszte man doch selbst nach der viel ruhiger 
geschriebenen Salzburger denkschrifl an Methods Ordination zum erz- 
bischof zweifeln. Weder von einer antwort auf diese schreiben , noch 
von den weiteren Schicksalen der mährischen bischöfe findet sich irgend 
eine spur. Passau vermochte nicht seine ansprüche auszerhalb Oester- 
reichs geltend zu machen; die Ungarn ertrugen bei ihrer späteren bekeh. 
rung kein fremdes geistliches Oberhaupt, und Mähren gehörte, als es 
von den einfallen der Magyaren sich erholte , zum Prager sprenget *}, 
bis im jähr 1073 das selbständige bisthum Olmüz errichtet wurde. 



nach Wichings entsetzung ordinirt. Ann. Fuld. 899. Die briefe hat u. a. 

Boczek. p. 60. ff. 
') Benedikt Vit. bestätigte ihnen später das apostolische vikariat in ganz 

Noricum und Pannonien. Juvavia, Anhang seite 189. 
') nur 976 wird ein bischof von IVJäbren unter den suffraganen von Mainz 

genannt , von deai sonst nichts bekannt ist. 



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3? 



NACHSCHRIFT. 



Die vorstehende abhandlung war bereits im monat März des Jahres 
1848 vollendet, und ich stand eben im begriff sie der censurbehörde 
vorzulegen, als bekannte ereignisse dieses verfahren zwar überflüssig 
nnachten, zugleich aber doch eine Verzögerung der ausgäbe veranlaszten. 
Erst in dieser eiflen stunde lernte ich die sogenannte PANNONISCHE 
LEGENDE von Konstantin und Method so weit kennen , dasz ich ihre 
hohe bedeutung nicht mehr bezweifeln konnte, welche ihr einen eben- 
bürtigen platz neben den von mir benutzten quellenschriften anweist. In 
slavischer spräche verfaszt, ist sie schon aus sprachlichen gründen nach 
der entscheidung von kennern für bedeutend älter zu halten , als alle 
sonst bekannten legenden in dieser spräche , und sachliche kennzeicben 
zwingen uns ihre entstehung in das Zeitalter des Method selbst zusetzen. 
Unglücklicher weise ist sie aber noch immer nicht im original bekannt 
geworden ; wir haben nur auszüge , die im Moskwitanin auf das Jahr 
1843 (n. 6. Seite 405) mitgetheilt sind, und mir in der böhmischen 
Übersetzung des herrn WENZEL HANKA vorlagen *). Der herausgeber 
entwickelt auf überzeugende weise, dass beide iebensbeschreibnngen 
(denn das leben eines ieden von beiden ist selb.ständig behandelt) von 
Zeitgenossen und schülern der slavischen apostel verfaszt sind , noch vor 
dem verfalle des mährischen reiches, und zwar wahrscheinlich in dem 
lande des Kozel. Man könnte sich sogar versucht fühlen die zeit der eth- 
Fassung noch vor den tod des Method zu sezen , da der gleich nach 
seinem tode eintretenden Verfolgung seiner schuler noch gar keine er- 
wähnung geschieht. Der bericht über seine» tod wäre dann ein späterer 
Zusatz. Denn zusätze von jüngerer entstehung weist der herausgeber 
selbst nach , und diesz ist eben der grund weshalb ich es aufgegeben 
habe, die merkwürdigen, zum theil ganz neuen thatsachen mit der vor- 
stehenden darstellung zu verschmelzen, indem ich eine^sehr genaue prü- 
fung der legenden vorher för unerläszlich halte. So glaubwürdig näm- 
lich vieles in denselben erscheint, so finden sich doch auch spuren, 
welche vor zu groszem zutrauen warnen müssen. Dahin gehört nament- 
lich in der legende von Konstantin eine bedenkliche Vorliebe für gewisse 
zahlen: er ist der jüngste von 7 brudern, hat 7jährig eine vision die 
ihn bestimmt sich ganz der gödlichen Sophia zu ergeben , verliert 1 4jäh- 



*) Casopis Ceskeho Museum 1846. seile 5—33. 

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_34_ 

rig seinen vater, verweilt dann 40 monale in Mähren, erhält von Kozel 50 
schuler, und stirbt in seinem 42ten jähre, nachdem er 50 tage krank war. 

Der inhalt beider legenden ist im ganzen sehr gut mit den resul- 
taten der vorstehenden Untersuchung zu vereinigen ; die abweichungen 
betreffen hauptsächlich die slavische Uturgie, und gerade hier hat man 
gewiss am meisten Ursache vor einschiebungen auf der huth zu sein. 
Von den lateinischen geistlichen wird behauptet, dasz sie die Übersetzung 
der heiligen schriflen in die slavische spräche verdammt hätten, was doch 
mit d^n damligen grundsätzen der romischen kirche durchaus im Wider- 
spruche sieht. Ferner sind die beiden reisen Melhods nach Rom in ganz 
anderer weise zusammengestellt,, worüber es schwer ist, nach den vor- 
liegenden daten ein urtheil zu fallen. Was endlich das todcsjahr betrifft, 
welches mit dem briefe Stephans Y durchaus unvereinbar ist, so ist^ 
wenn man nicht die ganze erzählung von seinem tode für späteren Zu- 
satz halten will, doch leicht möglich dasz wenigstens die jahrszahl von 
einem späteren bearbeiter herrührt. Es ist immer bedenklich wenn der 
todestag heiliger männer mit einem hohen feste zusammenfallt, wie hier 
in die Osterwoche ; ich erinnere deshalb nur an die unendlich verwickel- 
ten Untersuchungen über das todesjahr des heiligen Benedikt und des 
heiUgen Rupert. 

Aus diesen gründen also habe ich meine frühere Untersuchung un- 
berührt gelassen , und theile nur hier den inhalt der pannonischen legen- 
den in kurz^ Übersicht mit. 



Konstantin und Method waren söhne des Leo, eines kaiserii- 
chen Unterfeldherrn ^) in Thessalonich ; Konstantin der jüngste von sie- 
ben brüdern , geboren 827 nach der angäbe über seinen tod. Er wid- 
mete sich den Studien mit solchem eifer , und zeichnete sich durch seine 
Frömmigkeit so sehr aus, dasz der kaiserliche logothet, wahrscheinlich 
Theoktist, auf ihn aufmerksam wurde, und ihn nach Konstantinopel 
kommen liesz , wo er mit dem kaiser (dem unmündigen Michael III) er- 
zogen wurde. Bei Leo und PhoUu» bildete er sich in der philosophie 
aus. Der logothet wollte ihn mit seiner nichte vermählen und ihn zur 
würde eines Strategen (Statthalters einer provinz) erheben. Da er sich 



') im byzantinischen reich« führten auch die verwalt ngsbeamten milita. 
rische namen. 

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35 

aber dessen weigerte, erhielt er die geistliche weihe und wurde als 
bibh'othekar an der Sophienkirche angestellt, doch auch hiervon zog er 
sich bald ziiröck und verbarg sich in einem kloster. Nach einem halben 
jähre liesz er sich zur rückkehr bewegen , und wirkte als lehrer der 
philosphie. In dieser zeit bekämpfte er auf befehl des kaisers die lehre 
des gegen den bilderdienst eifrig streitenden patriarchen Annius. In sei- 
nem 24. jähre (851) ging er mit Georg Asikrit zu den Sarra%eneti^ 
um eine disputation über den glauben zu halten , und als er von dort 
zurückkehrte, ergab er sich ganz einem beschaulichen leben, und zog 
sich zu seinem bruder nach dem Olymp zurück. Methodius hatte nämlich 
eine slavische furstenwurde bekleidet, diese aber dann niedergelegt und 
sich nach dem Olymp begeben. Aus den frommen Übungen , in wel- 
chen sie hier mit den heiligen väten ihre zeit zubrachten , wurde Kon- 
stantin durch den auflrag des kaisers abgerufen , sich zu den Kosaren 
zu begeben , welche um Zusendung gelehrter männer gebeten hatten , da 
Sarrazenen und Hebräersich bemühten sie für ihren glauben zu gewinnen. 
In Kerson angelangt , lernte er hebräisch und sarrazenisch , fand auch 
ein russisch geschriebenes evangelium nebst dem psalter, und machte 
sich die spräche zu eigen. Diesz bezeichnet schon der herausgeber als 
einen späteren Zusatz. Hier ermunterte er den erzbischofzuraufsuchung 
der gebeine des heiligen Clemens, bei welcher gelegenheit die geschichte 
der auifindung desselben citirt wird. Der fürst der Kosaren belagerte da- 
mals gerade Kerson , zog aber auf Konstantins Verwendung ab. Auf 
dem weiteren wege zu den Kosaren y an den Kaspischen pforten der 
Kaukasischen berge, gerieth Konstantin in die bände der Ungarn, welche 
ihn aber unbeschädigt entlieszem Nach siegreicher bekämpfung der ko- 
sarischen, jüdischen und sarrazenischen gelehrten — der biograph beruft 
sich dabei auf die vollständigen berichte in Konstantins Schriften — stellte 
der fürst es jedem frei sich taufen zu lassen, wovon bei 200 gebrauch 
machten, und setzte todesstrafe auf den rückfall. Beim abschied er- 
wirkte Konstantin diefreilassung von 20 griechischen gefangenen. Dar- 
auf lebte er bei der kirche der heiligen Apostel Methodius entsagte der 
bischöflichen würde und erhielt das Kloster Polychron. 

Um diese zeit bat Rostislaw, der mährische fürst, den Kaiser 
für sein neubekehrtes land um lehrer, welche das volk in seiner 
spräche unterrichten könnten — seine worte stimmen hier fast ganz mit 
den in der Translatio S. Clementis angeführten überein ; nur fehlt dort 
die erwähnung der slavischen spräche. Der Kaiser berief zu dieser auf- 

3* 

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36 

gäbe die beiden brüder, ^eil sie ja als Tbessalonicher der reinen slavt« 
sehen spräche mächtig sein muszten. Konstantin , obgleich kränkelnd; 
entzieht sich dem auftrage nicht , fragt aber ob denn die Mährer ihre 
eigene scbrifl hahen. Da der Kaiser es verneint, bringt er auf dessen 
bitte das aiphabet zu stände, und beginnt die Übersetzung. Metho<liuif 
begleitete ihn. Beide wurden von Rostislaw ehrenvoll empfangen , er- 
hielten schuler zur Unterweisung, und das werk hatte guten fortgang. 
Aber es fanden sich gegner, welche die Übersetzung der heiligen Schrif- 
ten in slavische spräche für gottlos erklärten ; ihnen widerstand Kon- 
stantin siegreich während seines 40n!onalticbcn (nach dem leben He- 
thodsdreijährigen)aufenthaltsin Mähren; dann b^abeiT sich beide, ein- 
geladen vom papste Nikolaus, der sie zu sehen wünschte, und in der 
absieht ihre schäler weihen zu lassen , nach./<o«/», durch das land des 
KozeL Der heidnische ^ das ist gewisz falsch — fürst Kozel empGng 
sie freundlich , freute sich über die slavische schrifl , die er gleich er- 
lernte, und gab ihnen 50 schuler. Auch setzten Rostislaw und Kozel 
900 griechisch^' gefangene in freiheit. In Venedig halte dann KonMantin 
noch einen groszen streit mit lateinischen bisehöfen und priestern wegen 
seiner bibelübersetzung zu bestehen. 

Sie führten die gebeine des heiligen Clemens mit sieb , und pepst 
Hadrian empfing sie mit groszen ebrenbezeugungen. Sie überreichten 
ilim die slavischen schriDen und er legte sie in der kirche S. Mariae ad 
ad Praesepe, oder nach dem leben Hetliods, auf dem altar des heiligen 
Petrus nieder. Ihreschüler (nach dem leben Methods 3 popen und 2 ana- 
gnosten) liesz er weihen durch den biscbof Formosus (von Porto) und 
Goirdich, in welchem der herausgeber mit vieler Wahrscheinlichkeit 
den bischof Gauderich von Yelletri vermuthet; und an diesem tage 
und an den folgenden sangen sie in den hauplkirchen Roms die sla- 
vische messe, wobei der bischof Arsenius (wahrscheinlich von Horla) 
und der bibliolhekar Anastasius sie unterstützten. Konstantin erkrankte 
in Rom, hatte, nachdem er längere zeit krank gelegen war, eine 
göttliche erscheinung, worauf er mönchskleider anlegte, and den 
namen Kyrill annahm Vor seinem tode ermahnte er noch seinen bru- 
der, in dem begonnenen werke eifrig fortzufahren, und starb dann 
in seinem 42ten jähre am 14 Februar 6377 d. i. 869. Method 
wollte nach dam wünsche der niutter die gebeine mit sich nehmen, liesz 
sich aber durch die bitten der lateinischen bischofe bewegen, sie in Rom 
zu lassen, wo sie in der kirche des h. Clemens ehrenvoll bestattet wurden. 

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Kozol erbat sich ntin vom papst den Melhod, und Hadrian sandtd 
ihlfi aus als lebrer, nicht für ihn allein, sondern auch für alle siavischen 
yolker, mit einem briefe an Rostislaw, Suatopluk und Ko2el, der ganz 
mitgetheilt wird. Derpapst lobt sie darin, weil sie sich nach Romgewen* 
det haben , und sendet den Method , „nachdem er ihn geweiht mit sei- 
nen schulern ,^^ als einen mann der im verständnisz vollkommen und 
rechtgläubig ist. Die slavische messe gestattet er ausdrucklich , nur mit 
der foeschränkung , dasz Epistel und Evangelium vorher lateinisch ge- 
lesen werden sollen , damit nach der Schrift Gott in allen zungen gelobt 
werde. Diejenigen welche sich dem gabrauche der siavischen spräche 
widersetzen, tadelt er, und befiehlt sie, wenn sie nicht ruhe halten, 
dein gerichte der kiiche zu öberliefern. Übrigens ermahnt er sie Gott 
nicht nur mit dem munde zu bekennen , sondern auch in den werken ih- 
ren glauben zu bewähren. — So kam Methodius zum Kozel , dem aber 
sein priesteramt nicht genügte ; mit einer gesaudschaft von 20 edelleuten 
sandte er ihn nach Rom zurück, und erwirkte jetzt, dasz er als apostel 
der Sh\en zum bischof von Pannonien geweiht wurde, einzunehmen 
den stuhl des h. Andronikus. Das ertragen die deutschen bischöfe nicht, 
da sie die pannonische diöcese für sich in nnspruch nehmen; sie stellen 
Melhodius vor dem könige zur rede, und obgleich er sich darauf berief, 
dasz die gewalt über Pannonien nicht ihnen sondern dem heiligen Peter 
/n^stehe , führten sie ihn ins gefängnisz , und hielten ihn zwei und tm 
halbes jähr in haft. Endlich erfährt der papst die sache , macht das äl- 
tere recht des römischen Stuhles geltend, und bedroht sie mit dembann- 
fluch, worauf Method entlassen wird , aber mit drohungen gegen Ko- 
zel, wenn er ihn bei sich behalte. Die bischöfe jedoch ereilte die gött- 
liche strafe, indem viere von ihnen starben, worunter walirscheinlich 
Adalwin von Salzburg, der 872, Anno von Freising und Ermenrich von 
Passau, die 875 starben, und vielleicht ein bischof von ßrixen zu ver- 
stehen sind. Doch können auch chorepiscopi dagewesen sein. — Auch 
die Mährer vertrieben nun aus zorn darüber die deutschen bischöfe, und 
erbaten sich vom papst den Methodius als erzMschof. Sein werk ge- 
deiht rasch und kräftig, und zugleich erstarkt das mährische reich, 
und breitet sich mächtig aus. 

Dir deutschen bischöfe aber ruhten nicht, besonders dieanhänger 
der hyopaterischen ketzerei (d. h. der lehre dasz der Heilige Geist vom 
Vater tin^ t?om <SoAit6 ausgehe) ; sie sprengten aus, dasz der papst 
ihnen die mährische diöcese übergeben habe, den Melhod aber und 



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ijogle 



38 

ßeine lehre verdammt. Durch Verlesung des pdpslliehen Schreibens wer- 
den sie wiederlegt, denn darin steht dasz Method „unser bruder.'^ recht- 
gläubig ist, und apostolische thaten verrichtet, dasz in seine hand von 
Gott und dem apostolischen stuhl alle slavischen lande gegeben sind, und 
wen er verflucht, verflucht sein soll, gesegnet, wen er segnet. — 
Sie behaupteten nun, der griechische kaiser sei gegen ihn erzürnt; 
aber im gegentheil lud dieser den erzbischof nach Konstantinopel ein, 
empfing ihn ehrenvoll, und entliesz ihn reich beschenkt. Vor dieser reise 
übersetzte er in 6 monaten was von den heiligen Schriften noch fehlte; 
darauf verlebte er die letzten jähre in frieden. Auch der König der Un- 
garn die am ufer der Donau saszen , lud ihn zu sich ein , und entliesz 
ihn mit geschenken und ehrerbietigen Worten. 

Zuletzt, als er sein ende nahen fühlte, bezeichnete er, auf das 
verlangen seiner Schüler, den Gorazdal, einen geborenen Mährer, als 
seinen nachfolger, nahm dann am Palmsonntag von seiner heerde ab- 
schied, indem er seinen tod vorher sagte, und starb darauf am driitea 
tage , am 6. April 885. In der pfarrkirche wurde er bestattet. 



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III. 

BOEHMEiX. 



Boehmeh hatte mU der taufe von 14 groszen des landes im jähre 
845 zum Regensburgfer Sprengel gehört Nachher hat herzog Borzi- 
woi die taufe angenommen, und zwar, wenn wir Coamas und der 
sage ghttben dürfen, von Methodius. Aladann 973 herzog .Boleslaw 11 
ein eigenes bisthum für seine hauptstadt Prag erlangte, wurde es von 
RegensbiHf mit bewilligung bischof Wolfgangs getrennt Salzburgs me- 
tropolit kam dabei wiederum zu kurZ; Mainz erhielt den neuen sufTraga- 
nen zureatschadigung fAr die errichtung des erzbisthums Magdeburg. 
Aber es dauerte lange, bis das Christenthum sich im lande befestigte; 
viele hingen noch oflTen dem heidenthume an^ andere waren nur dem na- 
men nach Christen , und ertrugen keinen einspruch der priester gegen 
ihr wildes zügelloses leben. Sie nahmen sich ohne scheu mehrere wei- 
ber, und sogar die priester waren verheiratet. Dieses nebst dem durch 
Juden betriebenen handel mit gefangenen cbristensklaven , suchte der 
fromme bischof Adalbert vergeblich zu bekämpfen. Als er sah, dasz er 
nichts dagegen ausrichten konnte, gab er die hoffnungslose arbeit auf, 
und zog sich nach Rom in ein kloster zurück. Allein der herzog 
wünschte ernstlich seine rückkehr; der erzbischof von Mainz forderte 
ihn auf, sein bisthum wieder zu übernehmen, und der herzog schickte 
seinen eigenen bruder Christian , mönch von St. Emmeram in Regens* 
burg^ nebst den beredten Radia und andern nach Rom, um ihn zur rück- 
kehr zu bewegen. Adalbert weigerte sich dennoch, und fügte sich nur 
dem ausspruche einer deshalb berufenen synode. ^,AIs er sich Prag nä- 
herte (992), kam ihm herzog Boleslav mit vielem volke entgegen, man 
gelobte die erfüllung aller seiner wünsche, alles böse schien vergessen, 
und auf immer begraben zu sein^^^). Ganz so viel sagt unsere Urkunde 



Palacky Gesch. v. Böhmen. 1. 240. 

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40 

nicht aus, wir errahren daraus aber, dasz Boleslaw im jähre 992 eine 
foermliche reichsversammlung seiner groszen berief, und mit de- 
ren Zustimmung dem bischofe die befugnisz zugestand, diejenigen eben 
zu trennen, welche bei verbotenem Verwandschaftsgrade geschlossen 
waren , ferner an passenden orten kirchen zu errichten , und zehnten zu 
erheben. Man kann wohl annehmen , dasz Vielweiberei ^) und heidnische 
gebrauche nur deshalb nicht erwähnt sind, weil sie gesetzlich schon 
nicht mehr bestanden , und keine neue be^hlusse dagegen nöthig wa- 
ren* In dem aufdraengen der kanonischen eheverbote und den zehnten 
erkennen wir aber dieselben punkte, welche überall die ausbreitung der 
christlichen kirche am meisten erschwerten. Auch Adalbert sah seine 
bemühungen bald wieder vereitelt, und zog sich von neuem saröck. 
Erst Ekkard (t 1023) brachte das alte Statut des ersten bifchofs Diet- 
mar über die zehnten wieder zur geltung und als herzog Brzetisiaw 
1039 die gebeine des heiligen Adalbert aus Gnesen zinrfickfubrte gab er 
auf veranlassung des bischof Severus vorher zur sühne einige Verord- 
nungen gegen das wilde und unzüchtige leben , wodurch das boebnu* 
sehe volk den heiligen bischof bei seinen lebzetten so schwer ge- 
kränkt hatte. 



'j wozu auch die willkürliche lösung der eben und eingehung neuer lu 
rechnen ist. 



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BEILAGEN. 



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I. 

EPISTOLA, STEPHAN!. PAPE. AD, ZVENTOPOLCVM. REGEM. 



Stephanus episcopus seruusseruoniin dei^ Zuentopoico regi Scia- 
iiorum. Quia te zelo fidei sanctorum aposlolorum principi Petro uide- 
licet regni celestis clauigero , omni deuocione deuoulsti , eiusque uicari- 
um pre cunctis huius flucti uagi seculi principibus principalem patronum 
elegisti, eiusque te cum*) primatibus äc reliquo terre populo tuicioni 
pariter commisisli: continuis precibus deum bonorum omnium largito- 
rem exoramus, utipsiusmuniaris sußragio, in cuius manu^) sunt omnia 
iura regnorum quatenus eius uallatus auxilio et interuencionibus aposto- 
lorum principum Petri et Pauli et adiabolicis muniaris insidiis, et corpo- 
rali sospitate laeteris, ut anima et corpore tutus abeterno iudice bonis 
operibus decoratus, perpetua Telicitate doneris. Nos eciam qui eius uica- 
riacione fungimur, debitam solicitudinem prote gerentes, inquocumque 
indigueris negocio , inhis quae ad salutem tuam pertinent deo auxiliante 
protectorem inuenies inomnibus. Quem obfidei dignitatem cum omnibui» 
tuis fidelibus, nulla terrarum obsistente inter capidine, spiritualibus 
ulnis quasi presentem amplectimur amore utspiritualem filium. Igitur 
quia orthodoxe fidei anhelare te studio') audiuimus, et certo indicio ex- 
hoc agnoscimus, quod admatrem tuam sanctam uideUcet romanam 
aecciesiam recurrere uoluisti,*) quae capud est omnium aecclesiarum col- 
lato sibi priuilegio inbeato Petro principe apostolorum, cui suas oues 
uerus pastor commisit dicens: Tu es Petrus et super hanc petram edi- 
ficabo aecciesiam, et porte inferi non preualebunt aduersns earo 
— portas inferi , ora orthodoxam fidem blasfemancium appel- 
lans; que auctore Christo omnes hereses destruxit, et uacit- 
lantes omnes infide solidauit creatoris sui munita auxilio^ dicente do- 



') In der bandscbrift sieht in der Überschrift: PAPE. ABTVENO. POLCVM. 
tecum. ') manu fehlt in der handschnft* *) in der handschrifl 
steht studiose *) uolusti. 



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mino nostro Jesu Christo : Simon ecce satanas expetit uos ut cribraret 
sicut triticuin. Ego autem ro^aui prote nedeficiat-) fides (ua et tu ali- 
quando conuersus confirnia fralres tuos. Quls rogo nisi insipiens in- 
fantum audeatbIasphemiebaralrum^)nHTgi utPelrifideminfamet? proquo 
uerbum dei induobus naturis existens, quod natura serui autem natura 
contulit deitatis*). Tuam deuocionem amplectimur, uolentem discere ut- 
prudenciam luam digna attollamus laude, quae non alibi vagari, sed- 
ipsam^) quae caput est studuit consulere, aqua eciam omnes ecciesiae 
sumpserunt exordium. Uerumptanien fundamentum fidei super quod 
suam Christus constituit aecciesiam istud est: Tres certe persone sub- 
sistentes, patris, et fih'i, et spiritus sancti coaeterne sibi sunt et coe- 
quales, et istarum trium personarum una est deitas natura'), una sub- 
stancia, una diuinitas, una maiestas. Inquibus personis discrecio est 
non confusio, dislinccio non separacio. Distinccionom dico, quia alia 
est persona patris, aha fih'i, alia spiritus sancti; pater enim anullo, 
fih'us apatre, spiritus sanctus ab utroque, unius eiusdemque^) substan- 
ciae cuius pater et filius est. Et hec sancta trinitas, unus, et uerus, 
deus est, que nee inicio incipit, aut fine claudilur, nee loco compre- 
henditur, nee tempore uariatur. Paler enim solus dealio non est, et 
ideo solus ingenitus appeliatur, filius autem depatre sempiternus filius 
et ideo genitus dieitur, spiritus uero sanctus patris et Hlii est spiritus 
sine ullo inter ualto , ubi nuUa tempora quaeque habent prius uel po- 
sterius, sunt cogitanda: et ideo nee ingenitus, nee geniins, sedproce- 
dens dieitur, nee duo patres nee duo filii eredantur. Quod Tilii sit spi- 
ritus apostolus, et ineuangelista^) testatur : Si quis spiritum Christi non 
habet hie non est eius; et Paulus apostolus quod patris ßliique sit 
spiritus testatur: Uos autem non estis inearne, sed inspirilu; si tamen 
spiritus dei habitat inuobis. Et iterum ut patris sit spiritus, lucidissime 
distinguit dieens: Quod si spiritus eins qui suseilauit Jesum amortuis 
habitat inuobis , uiuifieauit et mortalia corpora vestra. Ut uero filii sit 
spiritus, idem Paulus testatur: Quoniam autem estis filii dei, misit deus 
spiritum filii sui in eorda nostra , clamantem abba pater. Utapatre pro- 
cedat ipsa ueritas dieit: Spiritus qui apatre proeedit, ille me elarifi- 
cauit. Ut afilio procedat eadero ueritas testatur: llle me clarificabit, 



*> nedificiat. *) blaspemie baritum. *> so die handselirift. *) sed- 
jpsum. *> 80 die handschrift. *) eius deque.. 'j so die band- 
sohrifl. 



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»5 

qnia dciiieo acctpiet. Absit enim ul Spiritus sanctus credatur depalrc 
infiiium , et defiiio adsanctificandam creatiiram qua8i quibusdam gradi- 
bu$ procedere , sedqueni admodum depalre , üa et dtfilio simul proce- 
dit^). Ollis enim iiegabit v8$e spiiilum sanc(uni uiiam? et cui uila pater, 
Ulla »U Glius; sicut pater uitani habet inseinet ipso, sie dedit et fllio 
uitain habere insemet ipso. Haec tibi demultis pauca dixisse sufficiant^ 
qnae te abaqae ambiguitate lingua coiißteri et corde oportet credere sed 
nonultra uires examinare* Quia solis corporei^) radio oculorum retundi^ 
tur intuitus , quanto magis ineffabilis deitatis claritate terrena mens re« 
tunditur. Hanc fidem adomino inapostolos et aposlolis fundatam sancta 
calholica et apostolica romana tenet eccieaia: quam tu ut firmiter te- 
neas monemns, exoramus, et testificamu«. Inqua el Wichingum uene* 
ntidum episcopum et carissimum confratrem aecciesiastica dcctrina 
cruditum repperimus^ et ideo eum uobis adregendam sibi commissam 
adeo aecclesiam remisimus^ quia fiddissimum eum ') tibi , et prote satia 
solicitum inomnibus agnouimus. Quem veluti spiritualem patrem, et 
proprium pastorem digno honore et debita reuerencia sincera mente 
recipite tenete et amplectimini , quia in eo exibiUim honorem Chriat0 
conFeritis, ip^o dioente: Qui uos recipit, me recipit. Et qui me reci- 
pit, recipit eum qui me misiL Ipse itaque omnium aeccle^iasticorun 
negociorum*) oiTiciorum habeat curam, et dei timorem pre oculi8 ba- 
hens dispenaet eadem, quia et profaia el proaaimabus commissi sihi 
populi ipse redditurus erit districto iudici racionem. Deieiunio itaque 
8€ias alege, prophaetis, et abipso domino ineuangelio approbatuni. Moy- 
ses namque ut legem acciperet quadraginta diebus et noclibus ieiuna*» 
uit. Haelias qui caelum orando . clausit j ut non plueret annos tres et 
menses sex, et rnrsum orando aperuit, et caeium dedit pluuiam ei 
terra dedit Fructum suum ') , quadraginta diebuM et noctibus ieiunauif» 
Auetor et ipse legis Jesus Christus dominus noster quadraginta diebus 
et noctibus ieiunauit. Siquis uero ieiunium reprobat, reprobet et ora- 
cionem et blüsphemet esse malum demones eici , dicente domino : Hoc 
genus noneicitur aisi inoracione et ieiuAio. Preceptum quippe est ieiu- 
nare, sedquibus diebus sit ieiunandum quibus ue prandendum, pre- 
cepto domini uel apostoiorum non est difiinitum asercione, seduntiqua 



') In der handschrift steht: procedat. *) corpore *) fidelissimus cum 
tibi, steht da, wofür gleichzeitig corrigirt ist: ßdelissimum cum tibi 
^) in negociomm ist ci übergeschrieben* Das wort scheint überflüssig zu 
sein. *) sum. 

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»6 

palrum consueludine tenel*) aeociesia, quia et priorum inslitata et 
consuetudo maiorum prolege tenenda sunt Oaarla feria ieiunandum 
est, quia consideralo euangelio quarta sabbati Judei consiüum inierunt) 
ut Jesum dolo tenerenl et occiderent. Sexta autem sabbati recte ieiunio 
deputator, propler dominice passionis reuefenciam, Sabbato quoque ni- 
hil ominus ieiunandum est propter renouandam memoriaui rei geste, 
quia discipuli dominum faomane intellegentcs eo die in sepulchro 
quiescentem *) doluerunt. Quintam uero feriam quidam arbilrati sunt 
esse dissolutam quia eo die reconciliacio sit pemtencium, et co die 
sanctum crisma conficitur , et eo die redemptor Gumdiscipulis ceoauit, 
et eis sacramenfum sui corporis et sanguinis tradidit, eo die uiden- 
tibus discipulis ad caelos ascendit. Dominicus certe dies propter re- 
surreccionis gioriam et aduentum *) sancti spiritus laeticie consecratus 
est. Duos quiremanent, proprio unius cuiusque relinquamus arbilrio; 
in quibus id obseruandum censeo utqui manducat nonmanducantem 
nonspernat, et qui nonnianducat manducantem noniudicet, utquicquid ^) 
agimus, Ingloria dei faciamus. Jeiunium scilicet quod quatuor tempo- 
rum dicitur antiqui patres cetebrandum nonfrustra ^) sanxerunt , dicente 
psalmista: Benedicam dominum inofloni tempore, ulsingulis quibuih 
que temporibus anni bumiliemus animam inieiunio. Primi itaque ^) men- 
sis ieiuntum dominus inexodo, quarti, septimi, et decimi ieiunium per 
Zachariam prophaetam celebrari precepit^ utqui omni tempore demise- 
rieordia confidamos penitendo Haec tibi deieiunio pauca dixisse suffi- 
ciant, quam uis piurima dici possent eins misteria que nunc exponere 
non est temporis. Hoc tarnen ieiunium deo preceteris acceptabile cre- 
dito: dissolue coUigaciones impietatis, solue fascicuios^) deprimentis, 
dimitte eos qui conAracti sunt liberos, et omne onus disrumpe. Quod 
hs adornandum est monilibus: Prange esurienti panem tuum et ege- 
nos uagosque induc indomum tuam. Has scias deo acceptabiles lam- 
pades, quibus ieiunium adornandum ^) est cotidie ut deo sit placitum* 
Methodium') namque superslicioni, nonedificacioni, contencioni non- 
paci insistentem audientes plurimum mirati sumus ^^); et si ita est ut ^'j 



^) tent ^) quiesentem *) adueiilus *) quicquro steht da, so dasz die 
scbrifizugc in einer älteren hands. id würden gelesen werden können, aber 
nach der Schreibweise der unsrigen nicht. *) nefrustra *) laque ') fas- 
culo» *) adornandum *) Vor Methodium steht ein kreuz, vielleicht schoo 
von der band des ^ersten Schreibers '^) mirabilem Et ") ut fehlt. 

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»7 

audiuimus, supersticionem eius penitus abdicamus. Anathema uero 
proconlemnenda calholica fide, qui indixit incaput redundabit ') eius. 
Tu autern et populus tuus sancti spiritus iudicio eritis innoxii, 8ita- 
men fidem quam romana praedicat aecclet^ia tenueritis ') inuiolabiter. 
Diuina autem ofHcia et aacra misteria ac missarum aolemnia que idem 
Methodius Sciauorum lingua celebrare preaumpsit, quod neulteriua fa- 
ceret aupra sacratiasimum beati Petri corpua iuramento firmauerat, sui 
periurii ') reaturo perhorrescentea nullo modo deinceps *) aquoUbet pro- 
sumatur. Dei namque nostraque apoatolica auctoritate subanathematis 
uinculo inter dicimus, excepto quod adsimplicia populi et nönintelli- 
gentis aedificacionem attinet, si edangelii, uel apoatoli, exposicio ab- 
eruditis eadem üngua annuncietur '), et largimur et exortaniur, et ul 
frequentiasime fiat monemus, ut omnia lingua landet deum, et confi- 
teator ei. Contumaces autem et inobedientea , contencioni et acandalo 
insiatentes, postprimam et aecundam admonicionem si se minime cor- 
rexerit, quasi zizaniorum seminatorea ab aeccleaie gremio abici aan- 
cimoa, et neuna ouia moruida totum gregem contaminet nosiro uigore 
refrenari et aueslria finibua procul exciudi precipimus. 



*) renundabit ') tenuentis. ') super iurii perhorpescentes n. m. 
dinceps. *) anauncetutur 



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II. 

FRAGMENTA EPISTOLARUM 

lOHANNIS Vm PAPAE. 
A 

Ex codice bibl. caesareae 2186. olim Jus can. 80. 
saec. XV fol. 27. 

Bonizonis CoUectio canonum, Libri L cap. 13. 



Johannes episcopus commonitoriuin ^) Paulo epUcopo fungenti le- 
gatione . in Germaniam et Pannoniam. Inier cetera 9ic ail : Pfam non 
8oIum inira Itafa'am ac caeleras Hesperie prouinciaa, uerum etiaoi in- 
fra lotiu8 Illirici fines consecrationes , ordinationea, et diapositiones 
apostolica aedes patrare anliquilus consueuit, aicut nonnuUa regesta*) et 
conscriptiones sinodalea denionatrant. Et in fra: Porro ai de anno- 
rum numero forte cauaatur, aciat qoia inter chriatianoa, et eos qai 
intus fidei sunt, numerus certus affixus est Ceteruiu ubi paganorum 
et increduloruin furor in causa est quantalibet praetereant tempora, 
iuri non praeiudicat aecciesiaruin , quae corporalia nescientes arma, 
solum dominum et propugnatorem suum quando ei placuerit misereri 
palienter expeclant. Uerum si annorum prolixitas in talibus impedil, 
ergoDeus ipse reprehendendusest, qui post CCCC et XXX annos filios 
Israel de durissima seruitute Pharaonis et fornace ferrea liberauit. Sed 
ipse per se redemptor hominum') genus post tot annorum miiia de in- 
ferni^; claustris eripuit. 

') In der schön aber nicht correct geschriebenen bandschrifl stellt: com- 
nionitoruin ') res geste. ') omnium ^) inferuis. 



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49 



B 

Ex codice n. 205. capituli Olomucensis , saec. XII. fol. 67. 



Idem Loudouico regi quod priuilegia romane aecciesiae nullis 
temporibus angustantur et quod romane leges rerum eius proscripcio- 
nem non nisi post C annos admittunt. 

Nemo autem de numero annorum resultandi sumat Tomentum 
quia aanctae romanae aecciesiae cui Deo auctore seruimus priuilegia 
quae in firma beati Petri atabilitatia petra suscepit, nullis temporibus 
angustantur^), nullis regnorumparticionibuspreiudicantur^;. Sed etuene- 
randae romanae leges diuinitus per ora') piorum principum promulgata 
rerum eius proscriptionem ^) non nisi post C annos admittunt. 



Idem Cozili comiti de his qui uxores suas dimiserunt uel ad 
alias illis niuentibus migrauerunt '). 

Forro eos qui uxores suas dimiserunt uel^) illis ad alias niuen- 
tibus migrauemnt nupcias tam diu cum consentaneis eorum excom- 
municamns quousque posterioribus remotis priores penitendo receperint. 
Sicut enim nupcie a Deo ita diuorcium a diabolo est teste S. Auga- 
stino repertum. Quod enim coniunxit Deus homo non separet. Preci- 
pue cum hec pessima consuetudo ex paganorum more remanserit quo- 
rum in talibus non alius nisi ipse diabolus erat magister et auctor. 



') In der handschrift steht angustatur. ') preiudicatur. ') post hora. 
^) so beide male ; gleich nachher steht in der handschrift per statt post. 
— Yoliständiger steht der brief bei Timon II , 142. *) Dieser brief 
folgt auf den vorhergehenden als n. V. des abschnittesr. Ex concilio III 
apu4 Bauennam , was Boczek dazu gesetst bat , steht nur bei n I. und 
hat auf diesen brief keine beziebung. — *> uel fehlt in der hand- 
schrift. 



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III. 

EXCERPTÜM E L1BELL0 DE CONVERSIONK 
CARANTANORÜM. 

Ex cod. bibl cies. 423 olim bist. eccJ 73. 8Jiee. XIII. 



Karentanis primo predicauit Modestus episcopus mfesus et con- 
secratus a beato Yirgilio sub Pippino Francorum rege . Post hunc 
missus et consecratus est Theodoricus episcopus in presentia Karoli 
imperatoris ab Arnone arcbiepiscopo. Post hunc Otto episcopus 
consecratus ab Adelrammo arcbiepiscopo. Post hunc Hosbaldus epis- 
copus sub Liiiprammo et Adelwino archiepiscopis. Huic Osbaldo scrip- 
sit Nicolaus papa duos canones qui in corpore decrelorum inueniuntur. 
Post hunc interiecto aüquo tempore super uenit quidam Sciauus ab Hy- 
strie et Dalmatie ') partibus nomine Metbodius qui ad inuenit Sclauicas 
literas et Sciauice celebravit diuinum officium et uilescere fecit Latinum; 
tandem fugatus a Karentanis partibus intrauit Morauiam , ibique quiescit. 

Tempore Dagobert! regis Francorum preerant Karenlanis dux 
Samo , post quem Boruth ') post quem Karastus et post hunc Cheitma- 
rus ^) et post hunc Waltunc. Item sub Karolo et eins successoribus Pri- 
wizlauga Cemicas Ztoimar *) Etgar. 

In Orientali etiam parte Bawarie expulsis Hunis hü comites ab im* 
peratore Karolo et eius successoribus sunt consiiluti : Goterammus ') , se- 
cundus Werenharius ^) , lertius Albricus, quartus Golfridus, quintus 
Geroldus, et post hos^)duces Helmwinus Albgarius^) Pabo ®) et duces 
Carentanorum supra scripti sub istis comitibus et ducibus erant. 



*) in der handschrifl steht almatie. ') Boruch« ') Chcnmarus« *) Zpoi- 
mar. *) In der handschrift steht vor Goterammus noch Geroldus und die 
zahlen werden unrichtig mit dem jedesmal vorhergehenden namen ver- 
bunden. " *) W«rehariu8. ') chos. *) Albarius. *) Pado 



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IV. 
EDICTUM BOLEZLAl DUCI8. 

Ex codice S Cnicis. 



Anno DOMINICE INCARNAHONIS DCCCCLXXXXII. Domino 
Johanne . XV. Papa in sacratissima sede beati Petri apostoli . imperante 
Domino OUone. III. Rege Augusto . ortante Dei nutu Domino epUcopo. IL 
sancte Pragensis ecciesiae Adalberto monacho. Dux Boleziaus presen- 
tibus Omnibus primatibus suis dedit preFato episcopo secundum statuta 
canonum separare eaconiugia. que infra parenlelam contra sacram legem 
coniuncla *) esse reperirenlur . nee non eliam ecciesias per loco oppor- 
tuna construendi. et decimas congregandi licenciam dedit. 



') In der handschrift steht : coniiicta» 



4* 

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V. 
PASSIO SANCTAE LIVDMILAE. 

£x codice monasterii S. Crucis in Austria saec. XII. 



XVII Kai. Octobri8 Pa8sio sanctae Liudmilae martyris* 

Mater beali Wenzlai quosdam proceres' suos filios iniquitatis. 
Tunnam el Gomonem ioquor . ualida cum manu ad perdendam socruni 
fiuani Tetinis direxit. Prescia uero Christi famula Liudmila futurorum. 
accersiens presbiterum suuni nomine Paulum • monuif eum sacra missa- 
rum sollempnia modulari. Confessionemque suam ante scrutatoris 
cordium oculos effundens. benignissime conscia iam de percipiendis 
beneficiis Altis^imi. armis fidei se ipsam tolam mumens orationi pro- 
cumbens Deo preces efTudlt. quo eius spiritum quem Ipse creauerat 
in pace dignaretur suscipere. Celebritate dehinc missarum peracta. 
dominici corporis et sanguinis participatione se muniens . psalmodiam 
in defessa mente concinere studuit. Vespere autem facto, supra no- 
tati tyranni domum üiius aggressi. ualuas disrumpentes . relinquentes 
socios forinsecus armatos frameis clyppeisque statuunt* ipsi autem 
capilanei homicidae Tunna Gomonque paucis secum assumptis cubi- 
culi quo Dei famula incumbebat ostium disrumpentes. ingrediuntur 
bachantes. Quibus beata Liudmila humili sub uoce. Que nam uo$ 
inquit repentina insania agitat? Et non erubescitifs neque mente 
pertractatis quem admodum egomel uos ceu ftiios proprio» edu- 
eaui. auro argentoque vestibusque inaignibum diiuui? Verum si 
qua in uobis mea iniquitas inest, miehi intimate queso. At lili 
furentes saxis rigidiores* aures ad hoc obdurantes. non ueriti sunt 
manus proprias in eam inicere. lectoque extractam terretenus proie- 
cerunt. Quibus illa paulisper inquit orationi me in cutnbere sinite. 
Quibus concedentibus . expansis orauit ad Dominum manibus. Posthaec 
ifiquit. Mei interitu» causa si aduentastis* obsecro mucrone auferte 

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53 

Caput. Exemplo martynim sangoinem fundertdo. tegtimonium Christo 
perhibere gestii^ns. ac palmam inartyrii cum ipsis sine fine percipere 
optans quam etiain eam promeruisse non dubitamus. qaoniam sacra 
testante scriptura. iiistus quacünque morte preoccupatus fueril in re« 
frigerio erit anima eins. Funesti ergo carnifices preces eins verbaque 
spernentes« fune gutturi eius inmisso. suffocatione uitam illi abstole- 
runt presentem. uictura in euuin cum eo quem semper dflexit Jesa 
Christo domino. Suscepit autem martyrium feiix Deoque deuota Ta* 
mula seplima sabbati die. XVII Kai. Octobris. prima vigtlia noctis^ 
Clerus uero eins cunctus uniuersique uernaculi utriusque sexus pa- 
Store perempto in* diuersa sparsi . didersis in latibulis latitantes uitam 
presentem sibimet conseruauere. 

Post haec recedentibus crudelissimis carnificibus ad funeris eius 
officium cum magno metu et ululatu conuenientes . honestissimeque 
€uncta que ad sepulturam fore cernebantur peragentes . terrae glebam 
eius sanctissimam commendauerunt. Cruentissimi uero camifices spo- 
liis direptis. ad propriam dominam regressi. gaudium Uli per maxir 
mum intulenint de nece innocentis . estimantes se in aeternum locuple- 
tari. atque in aeternum uicturos. quibus atrocia et in extinguibilia 
gehennae ignis supplicia parata mox inerant. Prefata autem domina 
perfidorum usurpans suppeilectilem socrus suae cunctam cum ante 
dictis tyrannis regnare cepit. ditans eos propinquosque eorum ac fa- 
miiiam opibus exiraiis auri argentique uesleque preciosa inestimabili, 
regnaueruntque in tota prouincia Boemiorum uelut magnifici duces 
sed non ex Deo* Quibus opipare uiuenlibuS^ atque in estimabititer 
gaudentibus letantibusqne ultio iusta diumae uindictae inprouise sub- 
sequitur impios . qui tam grande tamque crudeie piaculum non horrue- 
runt patrare • quo manus suas in honestissimus in preclarissimam Dei 
famulam mouerent absque causa. Namque patre suo principe discor- 
diarum diabolo exagitante. coevos coetaneosque ceperunt comtemptui 
habere omnes. Qua de re excreuit dissensio odiumque per maximum 
inter ipsos primarios supranotatos. Tunnam uidelicet Gomonemque 
dominamque ipsorum ita ut omnis cogitatus. sermoque domine de inte- 
ritu eorum die noctuque uersaretur. Quod cernens memoratus Tunna 
tyrannus . irruente in se pauore terribili • cum cunctis sibimet affiifilate 
unctis ex eadem prouincia labens fuga omnibus exosus. uagus. pro- 
fugusque huc illucque uersatus est. nemoque ex stirpe illius progenitus 
in propria ullerius reditum habuit. Gomon autem cum fuge latibulum 



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oogle 



5» 

cum suogermaooquereret . conprehensns atquesinodali sententia addic- 
tus cum Iratre. uitam presentem pariter et futuram amisit. At oero 
domina eorum cernens eos fugientea . omnem ueneno« pectoris furorem 
in posteros eorum diffiindens. uniuersos a maiore eorum uaque ad mi« 
nimum una die unaque sententia perdidit. Hocque primum signom 
sanctae Liudmile damit, dum Dei disponenteprouidentia ex interrecto- 
ribus eius nuüus superfuit. Alii de propriis babitaculis secedentes . et 
in diuersa fugientes. cunctisque exosi. diuina ultione tacti exalauerunt 
spiritum uitae . paruuli eorum impiissima morte defuncli . quam plores 
uero capite gladio plexi sunt. Et impletus est sermo dominicus quem 
in euangelio infit. Omnet gm aceepßrmC gladium • gladio perihurU, 
Hisdem uero diebus ad tumulum beatissime et sepe memorandae uene- 
rabilis malronae Liudmilae ac marlyris diuina cooperanle gratia uir- 
tulum merita preclara patuerunt. Mam ex eiusdem monumenlo tanta 
firaglantia miri ac suauissimi odoris emanauit. que cunctorum aroma- 
tum florumque odoramenta euinceret. Qu^m plures etiam cereos lam- 
padesque lumine flagltantes ^) diuino intempestae noctis sileotio terque 
quaterque bauserunt oculorum acie. Que cuncta doroinam interfectn- 
cem eius uidelicet minime latuerunt. Quibus cognitis tiniore nimio pro- 
strata. quid sibi agendum foret ignorabat. Tandem rursus uenenosum 
instaurans consilium • apparitores suos Tetinis misit • quo uenerabile cor- 
pus tumulafum iacebat in mandatis iubens . quo domum beatae Liud- 
mite super tumulum ipsius slatuerent m modum basilicae . aptans ei no* 
men in honore beati Michahelis archangeli . quo si deinceps inibi ckru* 
isset Signum aliquod.non merlUs beatae martyris. qerum sanctorum 
quonim pignora inibi detinerentur. deputareUur« Sed non est sapien- 
tia non est prudentia non est consilium contra Dominum. Preualuil 
diuina uirlus in miraculis. et nichil profuit inuidiosa malicia interfec- 
tricis illius quae martyris sanctae Liudmilae obscurare merita . et Christi 
contegere nitebatur miracula. Pro bis Omnibus uictricem manum eius 
laudemus . qui semper triumphal in sanctis suis . qui est laudabilis et 
gloriosus in secuta. Qui in trinitate perfecta uiuit et regnat Dens per 
omnia secüla secuiorum Amen. 



^) flagrantes? 



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Inhalt. 



Seit« 

Vorwort V 

1. Einleitung ... . 1 

II. Konstantin und Metbodias .... . . 3 

1. Quellen . . . . ' • • • 3 

2* Herkunft derbruder, ibr aufentbalt in Konstantinopei , und Kon- 
stantins reise zu den Cbazaren 6 

3. Berufung nach Mäbren 863. Aufenthalt bei den Bulgaren. Reise 
nacb Rom. 867 . . •. 9 

4. Ankunft in Rom Konstantins tod. 868 • • 14 

5 Die erneuerung des pannonischen erzbistbums 868 15 

6. Salzburgische klagen Die slaviscbe liturgie- Methodius nach Rom 

berufen 17 

7. Methodius rechtfertigt sich in Rom. Die slavische liturgie er- 
laubt 880 21 

8. Zwietracht zwischen Methodius und Wiching 24 

9* Stephan V entscheidet für Wiching Methodius stirbt 892. Wi- 

chings ende 27 

10 Weitere Schicksale der pannonischen diöcese 30 

Nachschrift über die sogenannte pannonische legende .... 33 

IIl. Böhmen 39 

Beilagen* 

I. Stephans brief an König Su^itopluk .... t • • 4vk 

H. Fragmente von briefen Johanns VIII . . , . f . , . 43 
III Ein auszug aus der schrift de conuersione Bagoariorum et Ca- 

rantanorum . • • • • . • . . • 5Q 
IV. Verordnung herzog Boleslaws von Böhmen zu gunsten bischof 

Adalberts ... t ••••••• 51 

V. Passio S. Liudmilae martyris , • • t . , . 5!) 



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^4 




DRUCK VON CARL GEROLD A SOHN. 




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